Thomas Gerber (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

"Für die Opfer ist das nur schwer erträglich"

Ein Kommentar von Thomas Gerber   19.01.2022 | 16:25 Uhr

Am Mittwoch wurde im Saarländischen Landtag über die Aufarbeitung der Missbrauchsvorwürfe an der Uniklinik debattiert. Wer hat versagt? Alle Verantwortlichen, so die Meinung von SR-Reporter Thomas Gerber.

Parlamentarische Untersuchungsausschüsse enden wie das Hornberger Schießen: Sie bringen viel Rauch um Nichts, da sich die Regierungsmehrheit am Ende immer schützend vor die Exekutive stellt. Diese alte Parlamentsweisheit, für den U-Ausschuss zum UKS-Missbrauchsskandal gilt sie leider auch  - wenn auch nur bedingt.

Versagen der Uniklinik

"Die politische Verantwortung bleibt im Diffusen"
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 19.01.2022, Länge: 02:48 Min.]
"Die politische Verantwortung bleibt im Diffusen"

Denn an den Fakten ist nach der umfangreichen Beweisaufnahme kaum zu rütteln. Die Verantwortlichen der Uniklinik haben auf ganzer Linie versagt - sowohl bei der Entdeckung der Tat als auch bei deren Aufarbeitung.

Hinweisen auf das pädophile Verhalten des Assistenzarztes wurde viel zu spät nachgegangen. Als dann endlich Strafanzeige erstattet wurde, wurde teilweise systematisch vertuscht.

Der Klinikchef, der weiter munter in der Schweiz praktiziert, verhängte seinem Team einen Maulkorb. Der Ruf des Leuchtturms Uniklinikum stand im Vordergrund - nicht das Kindeswohl.

Versagen der Behörden

Auch Jugendämter und Polizei hätten Assistenzarzt Mathias S. früher das Handwerk legen können - vielleicht gar müssen.

Auch da war Beißhemmung angesichts der Bedeutung der Uniklinik zu spüren. Behörden, Ämter wurstelten nebeneinander her - bezeichnend. Zufällig nämlich, im Rahmen einer Vermisstenanzeige, kam die Sache ans Tageslicht.

Versagen des UKS-Vorstandes

Katastrophal die Rolle des UKS-Vorstands: Dem war nach eigener Aussage noch nicht einmal die Gesetzeslage bekannt, dass er nämlich die Aufsichtsgremien und Ministerien über den Verdacht hätte informieren müssen. So unbedarft können ein kaufmännischer Direktor und eine Justiziarin nicht sein - so oder so, sie müssten eigentlich gegangen werden.

Und die politische Aufarbeitung?

Da aber kommen wir dann doch nach Hornberg. Die CDU sagt zwar auch, dass die Aufarbeitung in Homburg unsäglich war, aber beispielsweise Direktor Kerle vor die Tür zu setzen, da macht sie nicht mit.

Und die politische Verantwortung für das große Versagen? Auch die bleibt letztlich im Diffusen. Die damalige Wissenschaftsministerin Kramp-Karrenbauer und ihr CDU-Parteifreund, Gesundheitsstaatssekretär Kolling, können sich mit Nicht-Wissen herausreden.

Wobei das bei Kolling zumindest fraglich ist, berief sich doch sein Studienfreund, der Justiziar der Ärztekammer, auf geradezu pathologische Gedächtnisverluste. Wie sein mutmaßliches Telefonat mit Kolling in ein Gesprächsprotokoll gelangen konnte - der Jurist kann sich einfach nicht erinnern.

Und auch SPD-Justizstaatssekretärin Morsch eierte im Ausschuss rum. Dass sie damals davon ausgegangen sei, dass die Klinik selbstverständlich die Angehörigen über den Missbrauchsverdacht informiere - nach Aktenlage ist das nicht glaubwürdig. Personelle Konsequenzen bleiben nach zweieinhalb Jahren U-Ausschuss trotzdem aus. Für die Opfer ist das nur schwer erträglich.

Ein Kommentar von Thomas Gerber

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Ein Thema in der "Region am Nachmittag" vom 19.01.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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