Der Kommentar: "Gegenseitige Schläge, tief unter der Gürtellinie"

"Gegenseitige Schläge, tief unter der Gürtellinie"

Thomas Gerber   22.10.2020 | 15:50 Uhr

Die Fans waren überglücklich: Nach fünf Jahren Bauzeit konnte der Auftakt des FCS in die Dritte Liga tatsächlich im heimischen Ludwigspark stattfinden. Doch nun sorgt die Spielstätte seit Wochen für Schlagzeilen. Firmen - allen voran die Baugruppe Gross aus St. Ingbert - warten auf ihr Geld, klagen vor dem Landgericht. Im Gegenzug erhebt der Chef der städtischen GIU, Martin Welker, Vorwürfe gegen die Baugruppe Gross. Von Korruption ist diffus die Rede. Gross und Welker liefern sich eine regelrechte Schlammschlacht. Ring frei zu Runde 1 – ein Kommentar von Thomas Gerber.

Vorwurf der Sabotage
Streit zwischen Welker und Gross spitzt sich zu
Nach seinen Andeutungen zu möglichen Ungereimtheiten beim Bau des Ludwigsparkstadions ist der Chef der Saarbrücker Innovationsgesellschaft GIU Martin Welker am Vormittag als Zeuge vorgeladen. Die Korruptionsermittler wollen im Auftrag der Staatsanwaltschaft herausfinden, ob es Belege für Welkers Vorwürfe gibt, die sich insbesondere gegen die St. Ingberter Firma Peter Gross Bau richten. Der Streit zwischen Gross und Welker spitzt sich unterdessen weiter zu.

Das Ganze mutet inzwischen an wie ein öffentlicher Boxkampf - nur es fehlt der Ringrichter. Und so setzt es denn auch gegenseitig Schläge tief unter der Gürtellinie. Jurist Welker, bei den Fans als Stadiongott verehrt, lässt kaum eine Gelegenheit aus, um dem Großunternehmer Gross eins reinzuwürgen. Zwar nur hinter vorgehaltener Hand, aber dann doch gewollt öffentlich, munkelt er was von getürkten Rechnungen, von Selbstbedienung und Korruption. Am 22. Oktober nun war er beim Staatsanwalt - wahrheitsgemäß werde er als Zeuge aussagen, Belege habe er auch im Gepäck. Da darf man gespannt sein, ob die Vorwürfe tatsächlich Hand und Fuß haben. Zur Stunde aber ist gar nichts, aber rein gar nichts belegt.

Trotzdem: In der genüberliegenden Ecke macht sich offenbar Nervosität breit. Mit allen boxerischen Mitteln soll verhindert werden, dass Welker auch noch zum Baudezernenten gewählt wird.

Zunächst hatte Baumogul Gross - ungewöhnlich genug - in einer Pressemitteilung die Zahlungsmoral der Stadt und Welkers Hemdsärmeligkeit gerügt. Jetzt hat er nachgelegt, zum entscheidenden Haken ausgeholt, glaubt er wohl. In Schreiben an die anderen Firmen der Großbaustelle Ludwigspark schimpft Gross nicht nur über Welker und dessen Auftreten, sondern auch wieder über die Stadt. Wir Bauleute müssen zusammenhalten! Gemeinsam gegen den öffentlichen Auftraggeber. Und dabei versteigt sich Gross gar zu einem anonymen Fragebogen. Fragt die Kollegen: Würden Sie jemals wieder mit einem Welker zusammenarbeiten?

Würden Sie jemals wieder Aufträge der Stadt annehmen? Dass Gross für seine Interessen und die seiner Kollegen kämpft, das sei ihm gegönnt und ist ja vielleicht gar seine Aufgabe – denn die Zahlungsmoral der Stadt scheint tatsächlich unterirdisch. Auf schriftliche Mahnungen wird einfach über Monate nicht reagiert. Aber die Rundmail an die Kollegen ist trotzdem ein klares Foul. Denn was soll der kleine Handwerksbetrieb ankreuzen? Angesichts der Marktmacht von Gross kann er sich nur dessen Schelte anschließen.

Als Vorstand des Arbeitgeberverbands Bau, aber auch als verantwortlicher Unternehmer, gehört sich das nicht. Gleiches gilt für die Beauftragung rumänischer Subunternehmer - wenn die dann unter Tarif bezahlen, dann geht das Gross angeblich nichts an. Maß und Mitte, Anstand am Bau hat Gross gefordert. Das klingt wie Hohn. Wenn Boxer in Bedrängnis geraten, schlagen sie unkontrolliert um sich, gehen meist schnell selbst k.o. Ring frei zur nächsten Runde!


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Ein Kommentar von Thomas Gerber in der "Region am Nachmittag" am 22.10.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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