Der Kommentar: "Respekt vor denen, die es jetzt machen wollen"

"Respekt vor denen, die es jetzt machen wollen"

Stefan Hauch   13.09.2018 | 12:45 Uhr

Am Sonntag, 16. September, soll beim Landessportverband für das Saarland (LSVS) ein neues Präsidium gewählt werden. Dazu ein Kommentar von SR-Reporter Stefan Hauch.

Landessportverband
Präsidium wird neu gewählt
Der Landessportverband für das Saarland (LSVS) scheint zu neuen Ufern aufzubrechen: Am Sonntag soll ein neues Präsidium gewählt werden. Es soll auch bereits Kandidaten geben. Das bestätigte der kommissarische Präsident des Verbandes, Franz-Josef Schumann.

Ist jetzt der Schalter umgelegt? Hat der krisengeschüttelte Landessportverband nach neun Monaten endlich einen Weg in die Zukunft gefunden? Oder ist das nur ein verzweifelter Versuch, mit dem Motto „Wir machen mal irgendwas, irgendwie wird es dann schon weiter gehen. Hauptsache wir sind raus aus der Verantwortung.“

Ganz sicher von allem etwas. Und Psychologie spielt dabei eine wichtige, wenn nicht sogar entscheidende Rolle.

Mit der überraschenden Präsentation von Kandidaten fürs Präsidium und für den Chefposten ist den jetzt noch Verantwortlichen ein Coup gelungen. Dazu hat der Sanierungsberater offenbar glaubwürdig vermittelt, dass die Finanzprobleme lösbar sind - wenn den jetzt vorgelegten Plänen gefolgt wird. Und da die ehrenamtlichen Sportfunktionäre an der Spitze der Vereine müde sind und zum Teil überfordert, scheint eine Lösung greifbar.

Mit der Neuwahl des Präsidiums am Sonntag könnte der Startschuss erfolgen. Dafür müsste aber die alte Mannschaft entlastet werden - das wird heikel. Aber da alle mürbe sind, könnte es am Ende heißen: Macht mal! Irgendwie wird es schon weiter gehen.

Bemerkenswert ist, dass jetzt überhaupt Kandidaten bereit stehen für Ämter, die auf Sicht sicherlich keinen Spaßfaktor mit sich bringen und unter schärfster Beobachtung stehen werden. Deswegen Respekt vor denen, die es jetzt machen wollen. Auch wenn sie selbst wissen, dass sie zum Teil nur die zweite Wahl sind, weil die gewünschten Führungskräfte und Aushängeschilder abgesagt haben. Die Sache war vielen zu heiß.

Auch wenn am Sonntag die Mehrheit des Saarsports für diesen neuen Weg stimmt: Gelöst sind die Probleme noch lange nicht. Der 15 Millionen Euro Kredit der Landesbank steht noch nicht. Ein kurzfristiger Überziehungskredit über 1,5 Millionen wird gebraucht, sonst ist der LSVS Ende des Monats zahlungsunfähig. Und den über 40 Mitarbeitern, die entlassen werden, denen hilft das alles gar nicht.

Völlig in den Sternen steht, ob die Verantwortlichen für die Aufblähung des Verbandes, die letztendlich beinahe zum Platzen geführt hat, jemals benannt werden können. Und noch fraglicher ist, ob sie jemals dafür gerade stehen müssen.

Filz, Vetternwirtschaft, Versagen und Mißmanagement - das wird dem Verband noch lange anhängen.

 

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