Thomas Gerber (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Sport und politischer Filz - Aufarbeitung tut Not

Thomas Gerber   22.03.2018 | 12:45 Uhr

Der Untersuchungsausschuss zum Landessportverband kommt. Das steht seit der Landtagssitzung am 21. März fest. Und nicht nur den Finanzskandal beim LSVS soll er aufarbeiten, sondern das ganze System der Sportförderung im Saarland. Dazu ein Kommentar von Thomas Gerber.

Zitat Alexander Funk

"Vielleicht muss man ja auch mal die Zeit ab Neuberger, oder sagen wir mal 1985 durchleuchten, denn es ist ja wohl unbestritten, dass über Jahrzehnte hinweg diese Strukturen so herrschen."
(Der CDU-Fraktionsvorsitzende Alexander Funk am 21.03.2018 im saarländischen Landtag)

Zitat Oskar Lafontaine

"Es war immer so, dass Minister übers Land gereist sind und Scheckchen verteilt haben. Ich war zu faul dafür - das haben meine Minister gemacht. Sie können sich also wieder abregen. Nur: Es gibt bei allem Grenzen. Und wenn man dann irgendwann meint, man müsse alle Entscheidungen unter den Gesichtspunkten einer oder zwei Parteien treffen, dann ist das einfach eine Fehlentwicklung."
(Oskar Lafontaine, Fraktionsvorsitzender der Linken und von 1985 bis 1998 Ministerpräsident des Saarlandes am 21.03.2018 im saarländischen Landtag)


Der Kommentar

Der Napoleon von der Saar weiß, wovon er redet. Ende des vergangenen Jahrtausends waren die Lafontaines, Läpples und Kaspers mit den Totoschecks landauf landab unterwegs. Der Machterhalt lief - auch deswegen - wie geschmiert. Da hat der Neu-CDU-Fraktionschef Funk durchaus recht.

Dass die Christdemokraten nun aber den aufziehenden Untersuchungsausschuss zur Generalabrechnung mit der seit Jahrzehnten herrschenden sportlichen Unkultur machen wollen, riecht nach Blockade. Den Untersuchungsgegenstand ins Endlose ausdehnen, das ist ein erprobtes Mittel, um die parlamentarische Aufarbeitung von Missständen auszubremsen. Da müssen die Opposition und wir Medien Antiblockiersystem sein. Zumal noch reichlich Klärungsbedarf besteht.

Was allerdings schon jetzt feststeht - und was Lafontaine mit seinen läppischen Bemerkungen zur Scheckheftpolitik ja auch einräumt: Es gab und gibt einen politischen Misssbrauch von Totogeldern. Beim Bau von Rasenplätzen, aber auch bei der Förderung des Ehrenamts. 81 Schecks wurden in Wahlkampfzeiten aus Meisers Reptilienfonds im Land verteilt. Mindestens drei davon gönnte Meiser den roten GroKo-Partnern Pauluhn und Jost. Wer den Rest unters sportliche Wahlvolk streuen durfte, ist unklar - noch.

Das und noch viel mehr schwarz-roten Sport-Filz muss der U-Ausschuss aufklären. Zugleich kann er aber auch Chance für einen Neuanfang sein. Menschen - zumal solche mit Allmachtsgefühlen wie Meiser - machen Fehler. Richtig! Aber manchmal werden sie auch dazu verleitet. Die aktuellen Strukturen des organisierten Glücksspiels und Sports laden regelrecht zur Selbstbedienung ein.

Das Geflecht zwischen Saartoto, LSVS und Politik - dem Napoleon von der Saar ließen es die Untertanen damals durchgehen. Inzwischen ist aber Demokratie.

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Mittag" am 22.03.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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