Karin Mayer (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

"Schlimmer geht immer"

Ein Kommentar von Karin Mayer   27.11.2019 | 16:25 Uhr

Die Landesregierung war mit im Boot. Der Insolvenzverwalter hat gekämpft, die Beschäftigten gehofft: Trotzdem kommt jetzt ein weiterer Tiefschlag für die Gusswerke Saarbrücken. Hunderte Jobs stehen auf der Kippe. Das ist mehr als bitter, findet SR Wirtschaftsredakteurin Karin Mayer in ihrem Kommentar.

Kommentar: "Schlimmer geht immer"
Audio [SR 3, Karin Mayer, 27.11.2019, Länge: 02:33 Min.]
Kommentar: "Schlimmer geht immer"

Schlimmer geht immer. Das haben mir Mitarbeiter der Gusswerke Saarbrücken - damals noch Neue Halberg Guss - schon im Sommer 2018 gesagt. Heute zeigt sich, dass das stimmt. Die Gießerei steht vor einem neuen Tiefpunkt. 600 Mitarbeiter haben am Nachmittag des 27. November erfahren, dass sie freigestellt werden. Ihnen droht jetzt die Kündigung. Zwei Jahre lang haben sie um ihre Jobs gekämpft, Streiklieder gesungen und zusammengehalten. Sechs Wochen lang haben sie gestreikt und damit den Investor Prevent zum Verkauf bewegt. Der Streik damals war die einzige Chance. Deshalb war er auch richtig.

Streik mit Nebenwirkungen

Trotzdem hat er jetzt Nebenwirkungen. Nach VW und Mercedes springt auch der wichtige Kunde General Motors ab. Er hat inzwischen eine andere Gießerei gefunden, die Motorblöcke liefert. Ein bis eineinhalb Jahre dauert es, um einen Gießereiauftrag an einen anderen Zulieferer zu vergeben. Das wussten die Beschäftigten und die IG Metall schon damals. VW arbeitet daran einen Standort in Schweden aufzubauen. Mercedes hat die Niederlassung von Neue Halberg Guss in Südafrika übernommen. Dass General Motors sich jetzt zurückzieht, ist unerwartet und daran scheitert vorerst eine neue Übernahme und damit auch eine Zukunftsperspektive für das Unternehmen.

Hut ab vor Rettungsbemühungen

Insolvenzverwalter Franz Abel hat sie vorbereitet. Die Feraro Group aus Neunkirchen, ein Unternehmen aus dem Schrottgeschäft, wollte die Gießerei weiterführen. Voraussetzung wäre ein Mindest-Auftragsvolumen und das ist jetzt nicht mehr gegeben. Dass der Investor noch nicht komplett abgesprungen ist, dass Insolvenzverwalter Abel weiter nach einer Lösung sucht, um die Gießerei zu retten, man muss den Hut davor ziehen. Bisher war es nicht leicht, die Gießerei zu retten. Jetzt ist es schwerer - vielleicht gar unmöglich geworden.

Geschäftemachern das Handwerk legen

Dafür sorgt die schwächere Autokonjunktur, aber nicht nur. Dafür haben die Finanzinvestoren der letzten Jahre gesorgt, die sich bei der Gießerei – nennen wir sie doch wieder Halberg Guss, in den letzten Jahren die Klinke in die Hand gegeben haben. Sie sind mitverantwortlich dafür, dass 600 Halbergern jetzt die Kündigung droht. Man möchte diesen Investoren schlaflose Nächte wünschen. Noch bessser wäre es natürlich, dieser Art von Geschäftemachern das Handwerk zu legen. Eine Lösung dafür gibt es bisher nicht. Deshalb gilt weiter: Schlimmer geht immer - zumindest bei Halberg Guss.

Ein Thema in der Sendung "Region am Nachmittag" vom 27.11.2019 auf SR 3 Saarlandwelle.

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