Kommentar: "Lieber ein Jahr später beginnen"

Kommentar: "Lieber ein Jahr später beginnen"

Audio [Stephan Deppen, Region, 17.01.2020, Länge: 2:47 Min.]

Ein Kommentar von Stephan Deppen   17.01.2020 | 16:40 Uhr

Der Start der Internationalen Schule zum Schuljahr 2020/21 war vor knapp einem Jahr von allen Beteiligten als offizieller Starttermin genannt worden. Nun gab das Bildungsministerium bekannt: Der Termin lässt sich nicht halten und wird um ein Jahr verschoben. Das sei zwar ärgerlich, aber auch kein Beinbruch, sagt SR-Reporter Stephan Deppen. Ein Kommentar.

Da waren Bildungsministerium, Regionalverband und Landeshauptstadt im Februar vergangenen Jahres wohl etwas zu optimistisch. Und die Vorstellung der Pläne für die Internationale Schule in Saarbrücken hatte wohl auch etwas mit dem beginnenden Kommunalwahlkampf zu tun.

Schließlich waren alle drei, Bildungsminister, Regionalverbandsdirektor und Oberbürgermeisterin von der SPD. Und die Sozialdemokraten konnten tatsächlich ein Konzept präsentieren. Dass es mit der Umsetzung nun ein Jahr länger dauert, hat viele Gründe. Politische und sachliche.

Zähes Ringen um Standort und Konzept

Die Euphorie über womöglich einmal mehrere hundert hochrangige Wissenschaftler aus aller Welt am Cispa-Helmholtzzentrum an der Universität hatte der Idee einer internationalen Schule mächtig Auftrieb gegeben. Und dass die SPD-Granden vor einem Jahr nach relativ kurzer Vorlaufzeit tatsächlich ein Konzept parat hatten, hatte einigen bei der CDU nicht so recht gepasst.

Konzept und Standort sorgten für Diskussionen  und so ging hinter den Kulissen ein zähes Ringen los. Das ist noch nicht beendet, aber noch stehen die Chancen gut, dass das Projekt nicht am saarländischen Klein-Klein zerbricht.

Das heißt: Alle müssen sich jetzt bei der Auswahl der provisorischen Standorte zusammenreißen. Was ist an welchem Standort machbar? Die Praktikabilität muss über individuelle oder politische Vorlieben für die eine oder andere Schule oder Stadtteil die Oberhand behalten.

Übergangsstandort gesucht

Der endgültige Standort wird in Dudweiler liegen, dort, wo heute das Landesinstituts für Pädagogik und Medien residiert. Daran hat sich gegenüber den ursprünglichen Plänen nichts geändert.

Aber: Mindestens vier Jahre müssen die Kinder und Jugendlichen an einem provisorischen Standort bleiben, bis der endgültige bezugsfertig ist. Und dieser provisorische Standort soll bis Ostern feststehen.

Es braucht Feinjustierungen

Inhaltlich hat sich grundsätzlich nichts geändert: Die neue Schule soll als Anerkannte Europäische Schule (AES) an den Start gehen. Dazu gibt es feste Vorgaben - das Akkreditierungsverfahren läuft.

Es gibt aber auch Feinheiten, die noch zu justieren sind. Vor einem Jahr war davon die Rede, dass Englisch und Französisch gleichrangig ihren Platz an der Schule finden sollten. Jetzt ist nur noch von einer deutschen und einer englischen Sprachsektion die Rede. Da muss das Saarland mit seiner Frankreichstrategie und vergleichsweise starken Französisch-Kompetenz in den Schulen aufpassen, dass es nicht denen auf den Leim geht, die Französisch als unwichtig abtun.

Nichts überstürzen

Alle, die an dem Projekt Internationale Schule im Saarland arbeiten, haben im vergangenen Jahr viel getan und auch schon viel erreicht, um das Projekt umzusetzen. Es ist eine Mammutaufgabe, die nicht von heute auf morgen lösbar ist. Insgesamt also lieber ein Jahr später beginnen als überstürzt mit Provisorien, die sich als nicht tragfähig erweisen. Aber 2021 muss es dann auch losgehen!

Ein Thema in der Sendung "Region am Nachmittag" vom 17.01.2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

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