Corona Schutzimpfung für Kinder und Jugendliche. Jugendlicher vor der Impfung. (Foto: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON)

"Hätte die STIKO anders entschieden, hätte ich ein schlechtes Gewissen"

Steffi Balle   17.08.2021 | 08:51 Uhr

Jetzt also doch: Die Ständige Impfkommission hat am Montag ihre Empfehlung herausgegeben: Auch die 12 - bis 17-Jährigen sollten gegen das Corona-Virus geimpft werden, egal, ob sie eine Vorerkrankung haben oder nicht. Hintergrund sind Daten aus den USA, wo schon mehrere Millionen Kinder geimpft worden sind. Diese lange erwartete Entscheidung nimmt gehörigen Druck von den Eltern, findet SR- Reporterin Steffani Balle in ihrem Kommentar.

"Hätte die STIKO anders entschieden, hätte ich echt ein schlechtes Gewissen"
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"Hätte die STIKO anders entschieden, hätte ich echt ein schlechtes Gewissen"

Na endlich! – Ich bin erleichtert! Endlich kann ich sagen: Ja, ich habe meine Kinder impfen lassen, ohne Gefahr zu laufen, als verantwortungslose Mutter geächtet zu werden, die ihren Kindern Spätfolgen aufhalst, die noch gar nicht abzusehen sind. Denn ehrlich gesagt, war das genau auch mein Bedenken: Was, wenn die Impfung mehr Schlechtes als Gutes bewirkt? Was, wenn einer meiner halbwüchsigen Jungs eine Herzmuskelentzündung entwickelt? Durch die Impfung, die ihn doch eigentlich schützen soll?

Wäre die Entscheidung der STIKO anders ausgefallen, hätte ich echt ein schlechtes Gewissen meinen Kindern gegenüber. Und das finde ich den eigentlichen Skandal: Einerseits gibt es einen europaweit zugelassenen Impfstoff und immer wieder die Appelle, sich impfen zu lassen, um die Gesellschaft und sich selbst zu schützen. Andererseits aber keine eindeutige Stellungnahme von den Leuten, die seit eineinhalb Jahren unseren Alltag maßgeblich bestimmen. Im Spannungsfeld zwischen „Impfung ist gut für Alle“ und „Achtung! Es kann zu Komplikationen kommen“ standen wir Eltern allein. Die Ärzte waren durch die EMA- Empfehlung fein raus. Das Angebot zum Impfen gab’s.

"Die Verantwortung hatten wir Eltern allein"

Die Verantwortung aber, den Kindern eine Impfung geben zu lassen, die hatten wir Eltern allein. Irgendwie beschämend, dass mir das STIKO-Placet gefehlt hat. Vielleicht bin ich schon regelverseucht und Virologen-hörig geworden in eineinhalb Jahren Pandemie? Die Psychokur für mich kann warten: Hauptsache meine Kinder sind geimpft und haben ihr Leben wieder. Können Freunde treffen, Sport draußen und in der Halle machen oder in die Altstadt feiern gehen. Geimpft - das ist die aktuelle Eintrittskarte in die Freiheit. Ab sofort auch für die Kinder. Ganz offiziell.


Empfehlung Ständige Impfkommission
Saar-Kinderärzte empfehlen Coronaimpfung ab 12
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte im Saarland schließt sich der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) an, auch Kinder und Jugendliche ab 12 Jahre gegen Covid-19 zu impfen. Die Stiko hatte zuvor nach langwieriger Diskussion eine entsprechende Empfehlung abgegeben.

Über dieses Thema wurde auch auf SR 3 Saarlandwelle in der Sendung "Guten Morgen" am 17.08.2021 berichtet.

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