Karin Mayer (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

"Unwahrscheinlich, dass in einer Klasse ausschließlich Versager sind"

Karin Mayer   05.10.2021 | 16:20 Uhr

Die saarländische Meisterschule wird Thema im Landtag. Nach der SR-Berichterstattung über hohe Durchfallquoten im Metallbau, will die Linke im Wirtschaftsausschuss mehr erfahren. Zuvor ist eine komplette Meisterklasse in der Prüfung gescheitert. Das Problem ist größer und es ist hausgemacht, sagt SR-Wirtschaftsredakteurin Karin Mayer in ihrem Kommentar.

Man will es eigentlich nicht glauben. Da lobt die Handwerkskammer des Saarlandes seit Jahren ihre eigene Bildungseinrichtung, die Meisterschule. Hier werden Fachkräfte ausgebildet, die händeringend gebraucht werden. Die Meisterfeier wird Jahr für Jahr zelebriert, wer es hierhin schafft, steigt in den Olymp der Handwerker auf und kann sich selbständig machen. Das klappt in fast allen Gewerken gut. Außer bei den Metallbauern.

Man muss misstrauisch werden

"Sehr unwahrscheinlich, dass in einer Klasse ausschließlich Versager sind"
Audio [SR 3, Karin Mayer, 05.10.2021, Länge: 02:28 Min.]
"Sehr unwahrscheinlich, dass in einer Klasse ausschließlich Versager sind"

In diesem Jahr ist eine komplette Klasse durchgefallen, darüber kann man nicht nur staunen, und wenn man hört, dass es seit Jahren ein Problem gibt, muss man misstrauisch werden. Rein statistisch gesehen ist es nämlich sehr unwahrscheinlich, dass in einer Klasse ausschließlich Versager sind. Genau davon ist der Prüfungsausschussvorsitzende aber überzeugt. So behauptet er es im Interview und tritt völlig ohne Selbstzweifel auf. Die Absolventen seien zu jung, zu unerfahren, behauptet er. Doch dann melden sich weitere Betroffene aus anderen Jahrgängen. Und schon blickt man in tiefe Abgründe.

Interessenskonflikt im Prüfungsausschuss?

Der Prüfungsausschussvorsitzende und Landesinnungsmeister demotiviert offen junge Leute, rät ihnen keine weiteren Versuche an der Meisterschule zu machen. Sie äußern auch den Verdacht, dass ein selbständiger Handwerker sich Konkurrenz vom Leib halten will. Der Prüfungsausschussvorsitzende und Landesinnungsmeister Martin Jakob weist das weit von sich. Man versteht aber sofort, warum in der Handwerksordnung steht, dass der Ausschussvorsitzende nicht dem jeweiligen Handwerk angehören soll. Was man nicht versteht, warum bei den Metallbauern diese Regel nicht beachtet wird. Noch weniger versteht man aber, dass weder die Kammer noch die Aufsichtsbehörde, also das Wirtschafsministerium, auf die Missstände reagiert haben.

HWK hätte längst nachbessern müssen

Wenn in einem Gewerk regelmäßig, die Absolventen durchfallen, hätte die Kammer längst nachbessern müssen. Ob es am Unterricht, an der Prüfung oder an der Vorbildung liegt – die Kammer ist in der Pflicht, das zu regeln. Stattdessen wird unter den Teppich gekehrt. Vetternwirtschaft vermuten die gescheiterten Metallbauer.

Nicht nachvollziehbar und offene Willkür, sage ich. Dass die Kammer und die Aufsichtsbehörde so lange zuschauen, macht mich wütend. Wer Millionen Fördermittel vom Bund bekommt und jedes Jahr Geld vom Land kassiert, steht auch unter Druck. Wer der öffentlichen Hand auf der Tasche liegt, muss auch liefern.

Ein Thema in der Sendung "Region am Nachmittag" am 05.10.2021 auf SR 3 Saarlandwelle.

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