Karin Mayer (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

"Unterstützung vom Steuerzahler gibt es eben nur begrenzt"

Der Kommentar zur Hilfe für Kleinunternehmen

Karin Mayer   27.03.2020 | 16:00 Uhr

30 Millionen Euro hat das Saarland in die Hand genommen, damit will das Land Kleinunternehmen und Solo-Selbstständigen in der Corona-Krise helfen. Zum Dank gab's vorerst: vor allem Kritik. Viele hatten sich das einfacher vorgestellt mit der unbürokratischen Hilfe. Dabei muss man schon zugeben: Es ist nicht selbstverständlich, dass das Land mit nicht gerade überquellenden Bankkonten so viel Geld in die Hand nimmt. Ein Kommentar von SR-Wirschaftsredakteurin Karin Mayer.

Kommentar: "Unterstützung vom Steuerzahler gibt es eben nur begrenzt"
Audio [SR 3, Karin Mayer, 27.03.2020, Länge: 02:20 Min.]
Kommentar: "Unterstützung vom Steuerzahler gibt es eben nur begrenzt"
Ein Kommentar von SR-Wirschaftsredakteurin Karin Mayer.

Nicht zur Arbeit gehen, weniger Geld verdienen, das eigene Geschäft schließen – kaum einer, der im Moment nicht eingeschränkt ist, verzichten muss auf soziale Kontakte oder auf Reisen.

Das Gute ist, dass jetzt viele zusammenrücken, dass Hilfe in der Not groß geschrieben wird. In der Landwirtschaft fehlen Erntehelfer? Sofort melden sich Menschen, die bereit sind mitzuarbeiten. Andere organisieren Nachbarschaftshilfe, Kurzarbeitergeld wird von vielen Unternehmen aufgestockt, ein Vermieter erlässt einem Gastronomen für zwei Monate die Miete, um ihm in der Krise zu helfen.

Es gibt viele positive Geschichten in diesen Tagen. Dazu gehört für mich auch das Hilfsprogramm der Landesregierung für Kleinunternehmer und Solo-Selbständige.

Bildungsanbieter haben quasi über Nacht alle Aufträge verloren, Friseure mussten ihr Geschäft schließen, Autowerkstätten und viele andere sind betroffen. Für sie alle war die Botschaft der Landesregierung wichtig: Es gibt Hilfen, Zuschüsse, Geld, das man nicht zurückbezahlen muss. Balsam für die Seele von tausenden Händlern, Handwerkern, Selbständigen. Sie haben laufende Kosten, keine Einnahmen und sehen ihre Reserven schrumpfen.

Mehrere 1000 Anträge sind bereits im Wirtschaftsministerium eingegangen. Weitere Hilfen können vom Bund kommen. Damit zeigen Land und Bund: Sie haben erkannt, wo der Schuh drückt. Selten hat die Politik so vorbildlich reagiert und trotzdem hagelt es jetzt Schelte von Kleinunternehmern.

Unterstützung vom Steuerzahler gibt es eben nur begrenzt und nur in der Not. Es gibt Auflagen, wenn Steuergeld quasi verschenkt wird, das ist eine gute Nachricht für alle, die jeden Monat ihre Steuern zahlen. Dass man eigene Reserven in der Krise einbringen muss, gehört eigentlich zum klassischen Unternehmertum.

Die Besonderheit jetzt: Der Gesetzgeber hat den Stillstand in der Wirtschaft verordnet. Die Einnahmen fehlen, weil der Händler gar nicht verkaufen kann, was in seinem Lager liegt. Auch deshalb sorgt die Botschaft, es gibt Landes- und Bundeshilfen, aber vielleicht nicht für jeden, für Unzufriedenheit. Menschen fühlen sich ungerecht behandelt.

Was vielleicht nicht deutlich genug gesagt wurde: Es geht um Nothilfe. Um 30 Millionen Euro, die das Saarland sich in guten Zeiten gar nicht hätte leisten können. Was hilft? Solidarität. Es geht um Zusammenhalt, nicht darum, sich einen persönlichen Vorteil zu sichern. Wer Not hat, soll Hilfe bekommen. Die Voraussetzungen dafür sind bei uns besser als anderswo. Zum Glück.

Ein Kommentar von Karin Mayer


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Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 27.03.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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