Eine Stimme von SR 2: Stephan Deppen (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

"Ein Albtraum in Asphalt"

Kommentar zu den Plänen für eine Haldenstraße Reden

Stephan Deppen   07.04.2020 | 12:30 Uhr

Die Halde Reden ist natürlich und vor allem Hörern von SR 3 ein Begriff. Aber der Standort ist nicht nur Schauplatz toller Veranstaltungen, er birgt auch gewisse Probleme. So müssen Besucher zum Beispiel zu Fuß die Halde erklimmen, um sich oben in der Alm stärken zu können. Ohne Fleiß kein Preis könnte man sagen. Aber die Industriekultur Saarland, die IKS, will dem nun abhelfen - ausgerechnet mit einer zweispurigen Straße. Gute oder schlechte Idee? Darüber wird im Kreis Neunkirchen heftig diskutiert. Und dabei überwiegt die Ablehnung. Dazu ein Kommentar von Stephan Deppen.

Genialer Schachzug, um die Halde in Reden endlich für mehr Veranstaltungen und mehr Publikumsverkehr herzurichten und damit Investoren anzulocken? Oder abwegige Schnapsidee, die dem Charakter der Halde endgültig den Garaus macht? Für mich ist die Antwort klar. Das ist so ziemlich das Letzte, das die Halde braucht: eine zweispurige Straße und 100 Parkplätze. Ein Albtraum in Asphalt, der im 21. Jahrhundert in dieser Form wohl nur im auto-verrückten Saarland ernsthaft erwogen werden kann.

SPD und Grüne gegen das Projekt
Wohl Ratsmehrheit gegen Haldenstraße in Reden
Der Bau einer Autostraße auf die Halde Landsweiler-Reden ist unwahrscheinlich. Für das Vorhaben müsste der Gemeinderat in Schiffweiler den aktuellen Bebauungsplan ändern. Dafür gibt es aber wohl keine Mehrheit.

Was Kreistag Neunkirchen, IKS und Land als ultimative Chance für den Erlebnisort Reden feiern, ist nun wirklich ein untauglicher Versuch, eine über zehn Jahre währende Gestaltungsstarre zu lösen. Damals gab es hochfliegende Pläne: Rutschenparadies und Haldenbahn als touristische Alleinstellungsmerkmale auf der Halde. Private Betreiber durften sich ab 2011 als Alm-Wirte und Haldenbahn-Erbauer versuchen.

Nach drei Jahren beendeten IKS beziehungsweise Land das Unterfangen mit der klaren Ansage, es besser und mit Niveau selbst zu versuchen. Nach sieben Jahren dann das kleinlaute Eingeständnis, eine Haldenbahn sei nicht wirtschaftlich und nicht langfristig standsicher zu bauen. Aber Millionen in eine Almhütte hat die IKS schon mal investiert. Nun also eine zweispurige Straße, um das Almplateau besser bespielen zu können. Die aber erhebliche Eingriffe in die Beschaffenheit der Halde erforderlich machen und deren Charakter nachhaltig verändern würde.

Muss denn wirklich jeder Quadratmeter dieses Landes unter dem Deckmäntelchen der Barrierefreiheit mit Asphalt versiegelt werden? Barrierefreiheit und beleuchtete Fußwege auf die Halde sollen die Kritiker der Straße überzeugen. Nur: Es gibt ja eine schon eine Straße auf die Halde, Barrierefreiheit ist damit gegeben. Und wenn die IKS den Wanderern auf die Halde eine Beleuchtung bauen möchte: Warum ist das noch nicht geschehen?

Die ganze Debatte zeigt doch nur, dass in Reden außer der Gondwana-Ansiedlung eben nicht viel passiert ist. Es fehlt nach wie vor an weiteren Angeboten, die Besucher für einen ganzen Tag in ihren Bann ziehen. Ein schnödes Asphaltband soll jetzt die konzeptionellen Defizite von Reden zudecken - und den von vielen gerade geschätzten einzigartigen Charakter der Haldenlandschaft weiter beschneiden.

Es ist bezeichnend, dass sich alle wichtigen Naturschutzverbände und die "Gründerväter" der Alm-Idee gegen die jüngsten Pläne ausgesprochen haben. Pläne, die die IKS derzeit konkret verfolgt, die aber der Gemeinde Schiffweiler offiziell noch gar nicht vorgestellt worden sind. Doch der Gemeinderat Schiffweiler müsste für den Bau der Straße auf die Halde den Bebauungsplan ändern.

Ich wünsche dem Rat das notwendige Beharrungsvermögen, um die "Optimierung der Haldenzugänglichkeit", wie die IKS das Projekt offiziell nennt, zu verhindern. Um den Standort Reden wirklich voran zu bringen, muss sich die IKS schon etwas mehr einfallen lassen als noch mehr Asphalt zu verbauen. Aber das ist ja nicht neu.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 07.04.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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