Kommentar: "Es durfte nicht sein, was nicht sein sollte"

"Es durfte nicht sein, was nicht sein sollte"

Thomas Gerber   06.08.2020 | 12:30 Uhr

Die Bundesanwaltschaft Karlsruhe hat die Ermittlungen zum tödlichen Brandanschlag auf eine Saarlouiser Asylbewerberheim übernommen. Es lägen neue Erkenntnisse vor, wonach die Tat eindeutig politisch motiviert gewesen sei. Bei dem Anschlag im September 1991 war der damals 27 Jahre alte ghanaische Flüchtling Samuel Yeboah ums Leben gekommen. Zwei weitere Bewohner des ehemaligen Hotels in Fraulautern wurden verletzt. Dazu ein Kommentar von Thomas Gerber.

Offenbar rechtsextremistische Motive
Neue Ermittlungen im Fall Yeboah
Die Ermittlungen zum Tod des Asylbewerbers Samuel Yeboah, der 1991 bei einem Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in Saarlouis ums Leben kam, werden neu aufgerollt. Die Bundesanwaltschaft geht nach SR-Informationen dem Verdacht des Mordes aus rechtsextremistischen Motiven nach.

Endlich. Fast 30 Jahre brauchten die Behörden, um das anzuerkennen, was nach Lage der Dinge auf der Hand lag. Samuel Yeboah wurde Opfer von Rassisten, wurde von Rechtsextremen ermordet.

Noch ist unklar, welche neuen Spuren oder Hinweise die Ermittler zu dieser Erkenntnis gebracht haben, aber zu lange konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Staats- und Verfassungsschützer auch in diesem Fall auf dem rechten Auge nur eingeschränkt sehfähig waren. Es durfte nicht sein, was nicht sein sollte.

Saarlouis hätte ja auch in einer Reihe mit anderen Städten wie Hoyerswerda gestanden, wo ein rechter Mob Flüchtlingsheime attackierte. Dabei war 1991 die Stimmung in Saarlouis ebenfalls aufgeheizt - Nazischmierereien und Aufmärsche waren fast schon an der Tagesordnung.

Nun hat Karlsruhe den Fall übernommen, wegen seiner politischen Bedeutung, wie es heißt. Vergleiche zum NSU verbieten sich zwar, aber auch die Frage, ob was vertuscht wurde, muss nun beantwortet werden. Ob Behörden versagt haben.

Für die Politik wird es allerhöchste Zeit, das anzuerkennen, was man nicht wahrhaben wollte. Seit Jahrzehnten weigert sich die Stadt, Yeboah würdig zu gedenken. Der frühere CDU-OB Fontaine ließ gar eine Gedenktafel demontieren, belegte die Anbringer der Tafel mit einem Strafverfahren wegen Sachbeschädigung.

Jahrzehntelang lautete das kommunalpolitische Wording - der rassistische Hintergrund des Mordes sei nicht eindeutig geklärt. Damit können sich die Saarlouiser Kommunalpolitiker nun nicht mehr rausreden.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 06.08.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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