Mitarbeiter im Gesundheitswesen (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Sebastian Kahnert)

"Als wäre das Klatschen von Balkonen zu Ohrfeigen mutiert"

Ein Kommentar von Steffani Balle zur einrichtungsbezogenen Impfpflicht   15.03.2022 | 14:45 Uhr

Arbeitgeber im Gesundheitssektor müssen ab 16. März dem jeweils zuständigen Gesundheitsamt die Beschäftigten melden, die noch keinen Impf- oder Genesenen-Nachweis vorgelegt haben. Die Konsequenzen aus dieser berufsbezogenen Impfpflicht werden zu spüren sein – bei uns allen. Ein Kommentar von SR-Gesundheitsexpertin Steffani Balle.

Menschen, die aufgrund ihrer Arbeit mit kranken, schwachen oder verletzlichen Menschen zu tun haben, sollten geimpft sein. Das sind sie auch - zu einem deutlich höheren Prozentsatz als diejenigen, die sie schützen sollen. Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger sind dies nach Zahlen des Sozialministeriums zu 98 Prozent. Und doch trifft sie jetzt als erste die Impfpflicht.

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Kommentar zur einrichtungsbezogenen Impfpflicht: "Das kommt nicht gut an"
Audio [SR 3, Steffani Balle, 15.03.2022, Länge: 01:58 Min.]
Kommentar zur einrichtungsbezogenen Impfpflicht: "Das kommt nicht gut an"

Pflegekräfte am Limit

Kein Wunder, dass selbst geimpfte und geboosterte Pflegekräfte sagen: Und jetzt reicht's! Ich schmeiß' hin!

Nicht nur, dass sie vor der Pandemie schon mit unzuverlässigen Dienstplänen, mit Überstunden und Bezahlung unter Wert auskommen mussten. In der Pandemie wurde ihre Belastbarkeit endgültig auf die Probe gestellt. Mit Sonderschichten, mit Einspringen für Kolleginnen und Kollegen, die entweder selbst erkrankt oder in Quarantäne waren.

Altenpflegerinnen mussten Zusatzaufgaben wie die Eingangskontrolle, Schnelltests für Besucher und Therapeuten zusätzlich durchführen.

Die versprochenen Corona-Prämien kamen. Allerdings aufgeteilt in kleinen Tranchen, nicht für jede Einrichtung und an Arzt-Helferinnen oder Integrations-Kräften sind sie gerade mal komplett vorbei gegangen.

Erst Beifall, dann Ohrfeigen

Das kommt nicht gut an: Alles verlangen, aber bei der Belohnung Erbsen Zählen. Und jetzt auch noch als Erste und bislang Einzige einen Impfnachweis erbringen zu müssen, das ist so, als wäre das Klatschen von Balkonen mutiert: Zu Ohrfeigen.

Impfpflicht überdenkenswert

Österreich hat gerade die allgemeine Impfpflicht wieder kassiert. Die Omikron-Variante sei keine Grundlage mehr für solch drastische Maßnahmen.

Das könnte doch eine Blaupause für Deutschland sein. Immerhin konnte ja auch alle zwei Wochen das Regelwerk für Corona-Schutzmaßnahmen den Gegebenheiten angepasst werden. Dann sollte ein Überdenken der einrichtungsbezogenen Impfpflicht doch auch machbar sein.

Aber schnell! Sonst kommt keiner mehr, wenn man im Krankenhaus auf die Klingel drückt: Keiner mehr da!

Ein Kommentar von Steffani Balle


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Ein Thema in der "Region am Nachmittag" vom 15.03.20222 auf SR 3 Saarlandwelle.

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