Uwe Conradts erste Tag im neuen Amt.  (Foto: SR/Simin Sadeghi)

"Inzwischen wirkt er wie jemand, dem das Amt zu passen scheint"

Kommentar zum ersten Jahr von Uwe Conradt als Saarbrücker OB

  01.10.2020 | 12:45 Uhr

Am 01. Oktober 2019 hat Uwe Conradt sein Amt als Saarbrücker Oberbürgermeister angetreten. Das erste Jahr seine Amtszeit war natürlich geprägt von den Geschehnissen rund um den Ludwigspark - aber es hat sich in dem Jahr natürlich noch mehr getan. Dazu ein Kommentar von Stephan Deppen.

Kommentar: "Inzwischen wirkt er wie jemand, dem das Amt zu passen scheint"
Audio [SR 3, Stephan Deppen, 01.10.2020, Länge: 03:09 Min.]
Kommentar: "Inzwischen wirkt er wie jemand, dem das Amt zu passen scheint"
Ein Kommentar von Stephan Deppen.

Uwe Conradt ist in seinem Amt angekommen. Die Überraschung über den eigenen Wahlerfolg ist verflogen. Inzwischen wirkt er wie jemand, dem das Amt zu passen scheint.

Der Auftakt seiner Amtszeit war turbulent: Die Baustelle Ludwigsparkstadion forderte immense Anstrengungen. Probleme und öffentliche Meinung schlugen über dem OB-Novizen zusammen - aber er hat sich der Aufgabe gestellt und am Ende die Sache nicht nur zur Chefsache gemacht, sondern auch entschieden. Vergleichsweise geräuschlos haben die entscheidenden Personen bei der städtischen Giu und im Baudezernent ihre Posten geräumt.

Wer es schafft, rechtzeitig zum Saisonbeginn in der dritten Fußballliga dem FC das heimische Stadion zu überlassen, hat sowieso alles richtig gemacht. Ob seine Idee, den Ludwigspark-Krisenmanager zum Baudezernenten zu machen, bei Parteifreunden und Stadtrat gut geheißen wird, werden wir sehen. Diesen Vorschlag während des laufenden Verfahrens zu machen, halte ich für problematisch. Ein Vorschlag im Überschwang der Freude über die Wiedereröffnung des Ludwigsparks vielleicht?

Aber: Die Saarbrücker sind nicht alle Fußballfans und von daher muss man das erste Jahr der Amtszeit von Uwe Conradt auch unter anderen Gesichtspunkten betrachten. Zweite große Dauerbaustelle - diesmal im übertragenden Sinn- die Personalsituation bei der Feuerwehr. Auch die zur Chefsache erklärt und letztlich einer eleganten Lösung zugeführt.

Conradt wird getragen von einer Koalition aus CDU, FDP und Grünen. Aber diese schwarz-gelb-grüne Koalition hält Uwe Conradt nicht nur den Rücken frei, sondern macht ihm auch Probleme. Wer die Bevölkerungszahl der Landeshauptstadt massiv steigern will, sollte nicht als ersten Akt der Amtszeit ein fast fertig geplantes Neubaugebiet am Heidenkopf dem Koalitionsfrieden opfern.

Ebenso kein Selbstläufer: das neue Messe- und Kongresszentrum, das der Bund zur Hälfte finanzieren soll. Conradt musste erkennen, dass das Land ihm als CDU-Mann keinen Bonus einräumt. Dieselben schleppenden Spielchen wie zur Amtszeit Britz setzen sich fort. Da könnte der OB den eigenen Parteifreunden auf der anderen Saarseite durchaus energischer Paroli bieten.

Öffentlich hat er schon mal klar gemacht, was die Landeshauptstadt ist: das einzige Oberzentrum weit und breit und die einzige Großstadt im Land - und damit genießt sie zwangsläufig eine herausgehobene Stellung. Insofern kann es für eine neue Saarlandhalle auch gar keinen anderen Standort als die Landeshauptstadt geben.

Zugegeben: die Corona-Pandemie hat auch in der Stadt einiges durcheinander gebracht, da sind Dinge auf der Strecke geblieben, ohne sie konkret jemandem anlasten zu können. Aber zum Thema Verkehrsentwicklung, Mobilitätsmix, Zukunft des ÖPNV und der Stadtwerke: Dazu gibt es nach einem Jahr wenig Neues zu berichten.

Und die jüngsten Gedankenspiele, über den Saarbrücker Osten bis hin zum Brebacher Ohr sind ungeplante Zukunftsmusik - von ersten Skizzen ist die Rede, von Orten für Start-ups und Kreative. Nun ja, da muss man mal abwarten, ob das mehr ist als nur Gedankenspielerei.

Ein Jahr im Amt hat Uwe Conradt hinter sich, mit viel Engagement und persönlichem Einsatz. Und er hat mit seiner offenen und ruhigen Art viele für sich einnehmen können, übernommene Konflikte entschärft. Das ist eine gute Basis, aber inhaltlich geliefert zur Weiterentwicklung der 'Landeshauptstadt hat er noch nicht - aber dafür hat er ja auch noch neun Jahre Zeit.


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Ein Kommentar von Stephan Deppen in der "Region am Mittag" am 01.10.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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