Busfahrgäste  (Foto: dpa/Jan Woitas)

Kommentar: "Leidtragende waren die Fahrgäste"

Kommentar von Sarah Sassou   16.10.2019 | 16:09 Uhr

Drei Wochen dauerte der Streik der kommunalen Busfahrer im Saarland. Nun ist er beigelegt. Ab dem 17. Oktober rollen die Busse wieder überall. Für viele bedeutet das eine ungemeine Erleichterung. Ein Kommentar zum Streik von Sarah Sassou.

Kommentar: "Leidtragende waren die Fahrgäste"
Audio [SR 3, Kommentar von Sarah Sassou, 16.10.2019, Länge: 02:00 Min.]
Kommentar: "Leidtragende waren die Fahrgäste"
Drei Wochen dauerte der Streik der kommunalen Busfahrer im Saarland. Nun ist er beigelegt. Ab dem 17. Oktober rollen die Busse wieder überall. Für viele bedeutet das eine ungemeine Erleichterung. Ein Kommentar zum Streik von Sarah Sassou.

Zu den Stoßzeiten in Saarbrücken mit dem Auto unterwegs zu sein, das war wieder sehr nervtötend. In der Innenstadt waren alle Straßen verstopft, es waren einfach zu viele Fahrzeuge unterwegs. Bei dem Regenwetter wollte, wer konnte, trockenen Fußes zu seinem Ziel kommen. Und Bus fahren, das ging ja nun mal nicht. Der Busfahrerstreik sorgt ja nun schon seit drei Wochen immer wieder für Staus in den Innenstädten von Saarlouis, Neunkirchen, Völklingen und Saarbrücken. Drei Wochen... ähnlich lange wurde zuletzt im saarländischen Busverkehr in den frühen 90ern gestreikt.

Und das hätte sich nun wirklich nicht wiederholen müssen, finde ich. Die kommunalen Arbeitgeber und die Gewerkschaft Verdi hätten sich einfach schon viel früher einigen müssen. Immer wieder gab es die gleichen Nachrichten: Beide Seiten sind sich einig darüber, dass Busfahrer künftig mehr verdienen müssen. Beide Seiten sind sich einig darüber wie viel mehr. Aber dann kommen sie einfach nicht bei der Laufzeit zusammen. Und treffen sich immer wieder, um dann uneinig auseinander zu gehen.

Keine Rückerstattung für die Fahrgäste

Bis zum 15. Oktober - zum Glück. Die Leidtragenden der zähen Verhandlungen waren die Fahrgäste, die sich für teures Geld Zeitkarten gekauft haben, um zur Arbeit zu kommen oder in die Schule und die ihren Transport dann doch selbst organisieren mussten - das kostete noch mehr Geld und vor allem Zeit. Die ihnen keiner mehrzurückerstattet. Vielleicht hat aber auch der ein oder andere gemerkt, dass es in Zukunft auch ohne Bus geht.

Dabei ist das doch der Punkt, den die Arbeitgeber und auch die Gewerkschaft immer wieder anführen: Der öffentliche Personennahverkehr ist wichtig für die Lebensqualität in ländlichen Gebieten und natürlich für die Städte in Sachen Klimaschutz. Hätten die Tarifparteien das wirklich im Blick gehabt, dann hätten sie gleich Nägel mit Köpfen machen können.

Großer Erfolg für die Gewerkschaften

Die kommunalen Arbeitgeber müssen ohnehin tiefer in die Tasche greifen als sie können. Und die Gewerkschaft hat mit der Durchsetzung ihrer Forderung von 18 Prozent mehr Lohn sowieso schon einen großen Erfolg errungen. Wenn jetzt nach drei Wochen der Streik der Busfahrer zu Ende geht, dann wird zumindest zwischen Fahrern und einigen Fahrgästen das Klima wohl erst mal vergiftet sein.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Nachmittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 16.10.2019 berichtet.

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