Anzeigetafel der Bahn mit Verspätungen (Foto: dpa / Daniel Bockwoldt)

"Die Prioritäten müssen sich ändern"

Stephan Deppen   27.12.2018 | 08:30 Uhr

Warum klappt in Deutschland nicht, was in anderen Ländern kein Problem zu sein scheint: Züge, die pünktlich sind, sauber, in allen Teilen funktionsfähig und nicht ständig überfüllt. Eines jedenfalls ist klar: Die Politik kann nicht so tun, als hätte sie mit der Misere nichts zu tun. Ein Kommentar von Stephan Deppen

SR -Reporter Stephan Deppen (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Stephan Deppen

Wir fahren bei jedem Wetter. Das war einmal bei der Deutschen Bahn. Inzwischen ist man als Kunde ja schon froh, wenn die Bahn unabhängig vom Wetter überhaupt fährt. Dann drohen aber verschmutzte oder verschlossene Toiletten, nicht funktionierende Türen oder Klimaanlagen, nicht aufgefüllte Bordbistros, und, und, und.

Klar, es gibt die Bahnkunden, die immer Glück haben und alles läuft reibungslos. Dann ist Bahnfahren toll - Erhohlung für alle Sinne. Das als Normalzustand muss aber wieder das Ziel sein. Das sehen inzwischen nicht nur überzeugte Bahnfahrer so.

Der Rechungshof kritisiert Zustand der Infrastruktur und Qualität des Angebotes, aus der Schweiz kommt zusätzliche Kritik wegen fehlender Pünktlichkeit. Auf der Europäischen Route von der Nordsee ans Mittelmeer bildet der deutsche Abschnitt das Nadelöhr. Und das wird noch Jahrzehnte so bleiben.

Ein Armutszeugnis. Aber auch kein Wunder: 60 Euro Investitionen pro Bürger und Jahr bei der Bahn: Das ist nur ein Drittel gegenüber Österreich. Die Schweiz gar gibt über sechmal soviel aus.

Die Prioritäten müssen sich ändern. Mobilität ist ein Grundbedürfnis, das unser Gemeinwesen befriedigen muss. Die Bahn als Unternehmen, die Bahnmanager als Bahn-Experten sind gefordert . Und auch und vor allem der Eigentümer, der Bund nämlich. Der darf sich in Person des Bundesverkehrsministers nicht länger als Minister für deutsche Automobilhersteller und deren Infrastruktur verstehen, sondern als Mobilitätsminister. Der die Bahn nicht nur auffordert, den politisch verbrieften Vorrang für die Schiene durchzusetzen, sondern auch die Voraussetzungen dafür schafft - und die Umsetzung dann auch einfordert und kontrolliert.

Der Verkehrskollaps muss nicht nur auf der Straße, sondern auch auf der Schiene abgewendet werden. Es ist sozusagen höchste Eisenbahn.

Interview: Karl-Peter Naumann, Fahrgastverband Pro Bahn
"Wenn man die Bahn kaputt spart, darf man sich nicht wundern"
Warum klappt in Deutschland nicht, was in anderen Ländern kein Problem zu sein scheint: Züge, die pünktlich sind, sauber, in allen Teilen funktionsfähig und nicht ständig überfüllt. Karl-Peter Naumann von Fahrgastverband Pro Bahn fordert von der Politik mehr Unterstützung für den ÖPNV.

Ein Thema in "Guten Morgen" am 27.12.2018 auf SR 3 Saarlandwelle

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