Kommentar: "Das neue Format in der Saar-AfD heißt stramm rechts"

"Das neue Format in der Saar-AfD heißt: stramm rechts"

Carolin Dylla   05.10.2020 | 08:30 Uhr

Der Landesparteitag der AfD. Das große E-Werk war sparsam bestuhlt, große Abstände, viel Platz zwischen den Delegierten. Neuer Parteichef der Saar-AfD ist der Bundestagsabgeordnete Christian Wirth. Er hat angekündigt, dass er die zerstrittene Partei wieder einen will. Ob das klappt ist zwar fraglich – trotzdem könnte, was die Ausrichtung der AfD im Saarland angeht, bald ein anderer Wind wehen. Ein ideologisch sehr viel steiferer Wind. Ein Kommentar von SR-Landespolitik-Reporterin Carolin Dylla.

Landesparteitag in Saarbrücken
Neue Führungsriege bei der Saar-AfD
Die Ära des ehemaligen Parteichefs Josef Dörr bei der Saar-AfD ist beendet. Beim Landesparteitag im Saarbrücker E-Werk wurde ein neuer Vorstand gewählt. Der neue Landesvorsitzende Christian Wirth will mehr Politik und weniger Streit in der Partei.

Ein „Reformer“ will er sein, der neue AfD-Landeschef. Und dafür sorgen, dass der skandalgeplagte, irrlichternde Landesverband wieder „Politik macht“, anstatt sich öffentlich mit Dreck zu bewerfen.

Das Machtsystem des ehemaligen Landesvorsitzenden Josef Dörr hat die Partei zerrissen. Und es hat aus Sicht des neuen Landeschefs und vieler Mitglieder dazu geführt, dass die AfD im Saarland bisher in der politischen Bedeutungslosigkeit dümpelte. Hinter vorgehaltener Hand lästerten AfDler aus dem Bundesvorstand am Wochenende darüber, dass die Saar-AfD kein „politisches Personal mit Format“ habe.

Christian Wirth scheint überzeugt, Format zu haben. Wirth, 57 Jahre alt, Jurist und Bundestagsabgeordneter, ist höflich, eloquent – und so ziemlich der rechteste Politiker, den die saarländische AfD zu bieten hat. Im vergangenen Jahr organisierte er im Bundestag zum Beispiel eine so genannte “Wertekonferenz”, zu der er zum Teil rechtsradikale Politiker aus ganz Europa einlud. Im Auftreten aber ist Wirth gemäßigt – auch weil er als Jurist ziemlich genau weiß, wie weit er rhetorisch gehen kann.

Mit Lutz Hecker als Stellvertreter hat er außerdem einen fleißigen Adjutanten, der ihm in seiner politischen Ausrichtung in nichts nachsteht. Kai Melling, der auf den neu geschaffenen Posten des Generalsekretärs gewählt wurde, zeigte sich als familienpolitischer Hardliner: Kinderkriegen ist aus seiner Sicht kein „Privatvergnügen“ sondern eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Er verstehe nicht, warum man „100.000 gesunde deutsche Kinder abtreibt, dafür aber 300.000 Zuwanderer ins Land holt“, so Melling in seiner Bewerbungsrede.

Das neue Format in der Saar-AfD heißt damit: stramm rechts. Kein vermeintlich verwirrt wirkender Josef Dörr mehr, der sich zum eigenen Machterhalt um Kopf und Kragen redet. Stattdessen düstere AfD-Rhetorik, wie man sie aus anderen Bundesländern schon kennt. AfD-Sprech: seiltanzend auf der Grenze des Sagbaren.

Auch wenn diese Rhetorik erst noch in Politik umgesetzt werden muss. Die Zeiten, in denen die Saar-AfD dank ihrer heillosen Zerstrittenheit und ihrer politischen Apathie vergleichsweise leicht zu handlen war - unter dem Führungsduo Wirth-Hecker könnten sie bald vorbei sein. Für die Saar-AfD wäre Wirth damit der “Reformer”, als der er sich gern darstellt. Politisch und gesellschaftlich steht die neue Spitze aber nicht für „Reform“, sondern für das überwunden geglaubte politische Vorgestern.

Ein Kommentar von Carolin Dylla

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