Foto: Ein Bild mit der Aufschrift "CO2" hängt an einem Baum (Foto: dpa)

CO2-Steuer oder Zertifikat?

Karin Mayer   29.07.2019 | 08:07 Uhr

Der Welterschöpfungtag, "Earth Over Shoot Day" genannt, soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Menschheit von nun an auf Pump lebt. Sie verbraucht so viele Ressourcen, dass sie dieses Jahr 1,7 Erden benötigte.

Über Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und weniger Verbrauch wid viel diskutiert, aber wenig gehandelt. Etwa beim Ausstoß von CO2. Die einen fordern eine CO2 Steuer. Die anderen wollen den CO2 Zertifikatehandel ausweiten. Was macht mehr Sinn?

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Klimapolitik: CO2-Steuer oder Zertifikat?
Audio [SR 3, Karin Mayer, 29.07.2019, Länge: 03:41 Min.]
Klimapolitik: CO2-Steuer oder Zertifikat?

Der Wirtschaftsweise Prof. Lars Feld hat die Klimapolitik in Deutschland als mittlere Katastrophe bezeichnet. Er sagte dem SR, die gesamte Förderung der Erneuerbaren Energien habe keine CO2 Einsparungen gebracht. Das EEG sei vor allem Industriepolitik in Form einer Verteilung von unten nach oben. Es sei ein sehr teures System, das uns noch lange belasten werde.

"CO2 muss einen Preis bekommen"

Auch die Vorgaben an die Automobilwirtschaft seien alles andere als effizient. Auch die Diskussionen über E-Mobiltität könne man sich sparen, wenn CO2 einen Preis bekomme. Dann setze sich die effizienteste Technologie durch.

Für Lars Feld sorgt die Klimapolitik derzeit nicht dafür, dass andere Länder folgen wollen. Deutschland müsse beweisen, dass es Klimaschutz betreiben könne, ohne dass die Kosten in die Höhe schössen und die Wirtschaft kaputt gehe.

"Emissionshandel ausweiten"

Das Problem bestehe weltweit. Beim Klimaschutz müssten deshalb die großen CO2-Erzeugerstaaten ins Boot genommen werden. Deutschland alleine könne das Klima nicht retten.

Lars Feld spricht sich dafür aus, den Emissionshandel auszuweiten. Dadurch würden Heizkosten, aber auch Mobilität verteuert. Er ist einer der fünf Wirtschaftsweisen und Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschafltichen Entwicklung.

"Verzerrungen abbauen"

Felix Matthes vom Ökoinstitut hält eine CO2-Steuer dagegen für den richtigen Weg. Dem SR sagte er, sie biete auch die Chance, Energiesteuer nach ökologischen Gesichtspunkten neu zu ordnen. Derzeit sei die Energiesteuer auf Heizöl niedriger als auf Gas. Diese Verzerrungen müssten abgebaut werden.

Uwe Rentmeister von der Industrie- und Handelskammer des Saarlandes sagt dem SR, Deutschland sollte bei der Auswahl der Klimapolitischen Instrumente darauf achten, dass sich andere Länder anschließen könnten. Eine nationale Steuer sei dafür nicht geeignet.

"Rückerstattungen für Ärmere"

Sowohl CO2 Steuer als auch Zertifikatehandel werden Heizen und Tanken teurer machen. Wolfgang Edlinger von der saarländischen Armutskonferenz sagt dem SR, er sehe das gelassen. Der Staat müsse dann auch höhere Heizkosten erstatten.

Jutta Tremezaygues von der Sozialberatung der Caritas kritisierte die Pläne. Viele Menschen seien jetzt schon nicht mehr in der Lage die Kosten für Energie und Verkehr zu tragen.

 Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Guten Morgen" auf SR 3 Saarlandwelle am 29.07.2019 berichtet.

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