Kita Kettenfabrik (Foto: SR)

Kita Kettenfabrik vor dem Aus

Stephan Deppen / Onlinefassung: Axel Wagner   27.05.2020 | 17:25 Uhr

Die Kita Kettenfabrik in Saarbrücken steht womöglich vor dem Aus. Das Gebäude der evangelischen Kirche ist sanierungsbedürftig und der Elternverein als Betreiber der Kita kann sich einen Neubau nicht leisten.

„Also wenn das wirklich scheitert mit der Kettenfabrik, das würde ich unheimlich bedauern“, sagt Herwig Hoffmann, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde St. Johann in Saarbrücken. Er betont, dass die Kettenfabrik als einzige Kindertagesstätte auf dem Rotenbühl für das ganze Viertel große Bedeutung hat.

Video [aktueller bericht, 27.05.2020, Länge: 3:38 Min.]
Kita auf dem Rotenbühl droht die Schließung

Verhandlungen seit fünf Jahren

Sarah Thiery vom Trägerverein betont, wie lange schon alle Beteiligten ernsthaft nach einer Lösung suchen. „Wir führen seit mindestens fünf Jahren diese Verhandlungen.“ Ausschlaggebend sei gewesen, dass das in den 50er Jahren erbaute Gebäude nicht mehr sanierungsfähig ist. Da habe man nach anderen Lösungen gesucht. „Und die Kirche ist nichts willens oder in der Lage, noch mal in dieses Gebäude zu investieren.“

Selbst neu zu bauen, sei dem Trägerverein nicht möglich, und auch der Kirchengemeinde wäre eine solvente Bauträgerschaft wichtig. Sie selbst kann das nicht leisten. Bei ohnehin schon drei eigenen Kindergärten wäre ein weiterer finanziell nicht machbar, so Pfarrer Hoffmann.

Stadt kann Kita nicht übernehmen

Auch die Stadt Saarbrücken sieht sich derzeit nicht in der Lage, als Träger einzuspringen – auch aus finanziellen Gründen, wie der zuständige Dezernent Thomas Brück erklärt. „Wir haben sechs neue Maßnahmen in der Pipeline und in der Umsetzung. Wir können die Bauträgerschaft dort nicht übernehmen.“

Zehn Krippen- und 26 Kindergartenplätze gibt es aktuell in der Kettenfabrik. Die Nachfrage würde auch für ein Vielfaches reichen, sagt Sarah Thiery. Aber die Verhandlungen mit einem privaten Investor, der Firma Impuls Soziales Management, waren nicht erfolgreich.

Impuls wollte Firmen für Belegplätze

Kita Kettenfabrik vor dem Aus
Audio [SR 3, Stephan Deppen, 27.05.2020, Länge: 03:41 Min.]
Kita Kettenfabrik vor dem Aus

Impuls als Träger wollte Firmen gewinnen, feste Belegplätze zu buchen. „Das waren mal zwei, drei Plätze, vielleicht mal sechs, sieben“, sagt Thiery. „Aber letztendlich definitiv als Unterschrift unter dem Vertrag gab es da zu wenig für Impuls, so wie sie uns das rückgemeldet haben, dass sie in dieses Projekt einsteigen würden.“

Eine Stadt aber, die in anderen Stadtteilen neue Kindertagesstätten baut, würde sehenden Auges zulassen, dass auf dem Rotenbühl womöglich die einzige Kita im Sommer 2021 schließt? Diese Frage will Dezernent Brück so nicht beantworten. Denn so weit sei man ja noch nicht.

Verhandlungen nächste Woche

Er verweist auf Verhandlungen, die nächste Woche neuen Schwung in die Sache bringen sollen. Man wolle den privaten Betreiber dabei überzeugen, die Trägerschaft zu übernehmen. Brück verweist auch auf die geänderte Fördersatzung der Stadt. „Dazu kommt, dass ein weiterer Akteur, nämlich der Regionalverband Saarbrücken, ebenfalls noch in die Gespräche involviert wird.“

Diese Möglichkeit der Belegplätze gab es bisher auch schon. Neu, so Brück, sei die Höhe der Förderung – so könnte das Interesse daran wachsen. Ungebrochen jedenfalls ist der Kampfesmut der Eltern um ihre Kettenfabrik, so Elternvertreterin Sarah Thiery. „Dadurch, dass wir ein Elternverein sind und schon so lange Jahre kämpfen, ist die Moral erstaunlich gut.“

Über dieses Thema hat auch die SR3 Region am Nachmittag vom 27.05.2020 berichtet.

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