Gummistiefel auf der Fensterbank einer Kita (Foto: dpa)

Kita-Erzieher am Limit

Karin Mayer   28.01.2019 | 06:49 Uhr

Die Erzieher und Erzieherinnen im Saarland schlagen Alarm. Die Anforderungen in den Krippen und Kindertagesstätten steigen - weil Kinder immer länger betreut werden, wird jetzt auch mehr Personal gebraucht. Der Leidensdruck ist groß. Die Verdi-Fachgruppe Soziales und Erziehung hat deshalb einen Brief an die Politik geschrieben.

Audio

Kita-Erzieherinnen am Limit
Audio [SR 3, (c) SR Karin Mayer, 28.01.2019, Länge: 02:16 Min.]
Kita-Erzieherinnen am Limit

Seit 2013 gibt es einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung für Kinder ab einem Jahr. Das spüren Kitas und Krippen im Land. Kleinkinder werden früher und länger betreut. Das bedeutet auch: Die Anforderungen an die Erzieherinnen steigen. Der Alltag ist für Erzieherinnen in den saarländischen Krippen und Kindergärten zur Belastungsprobe geworden: Immer mehr Aufgaben, zu wenig Zeit - und vor allem: zu wenig Mitarbeiter. So sieht es auch die Gewerkschaft Verdi.

In einem Brief an mehrere Politiker hat Verdi nun die Arbeitsbedingungen der Erzieher angeprangert. Die Mindestpersonalstärke werde in vielen Kitas nicht erreicht - weil etwa krankheitsbedingte Ausfälle und Urlaubszeiten in der Personalbemessung nicht berücksichtigt würden. Verdi fordert deshalb, mehr in die Qualität der Kinderbetreuung zu investieren.

Audio

Die Reaktionen von Landesregierung und Landeshauptstadt auf die Erzieher-Forderungen
Audio [SR 3, Karin Mayer, 28.01.2019, Länge: 03:02 Min.]
Die Reaktionen von Landesregierung und Landeshauptstadt auf die Erzieher-Forderungen

Saarbrücken hat aufgestockt

Die Landeshauptstadt Saarbrücken hat für diese Fälle mehr Personal eingestellt. Darüber hinaus zahlt die Stadt inzwischen trotz knapper Kassen eine Zulage für Erzieher von 150 Euro monatlich, um den Beruf attraktiver zu machen.

Commerçon: Personalausstattung nicht nach dem Gießkannenprinzip

Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) sieht in der Personalausstattung an den saarländischen Kitas und Krippen im Grundsatz kein Problem. Im Ländervergleich liege das Saarland beim Personalschlüssel im Mittelfeld und darin seien auch Ausfälle berücksichtigt worden. Nichts desto trotz werde es eine Verbesserungen bei der Personalausstattung geben, "aber nicht nach dem Gießkannenprinzip", so Commerçon.

Die geplante Mittelverteilung

Dem Land stehen nach dem "Gute-Kita-Gesetz" bis 2022 insgesamt 65 Millionen Euro zusätzlich für Kitas und Krippen zur Verfügung. Ein Viertel des Geldes soll in die Qualitätsverbesserung fließen, unter anderem auch in französisch-sprachige Erzieher und eine zusätzliche Einrichtung für Erziehungsberufe. Den größeren Teil, 47 Millionen Euro, will Commerçon aber dafür nutzen, die Elternbeiträge zu senken. Eine Gewichtung, mit der die Verdi-Fachgruppe nicht zufrieden ist: Die Qualitätsverbesserung sollte im Vordergrund stehen. Das sei für die Kinder, die Eltern und für die pädagogischen Fachkräfte gut.

Über dieses Thema wurde auch in "Guten Morgen" und in der "Region am Mittag" am 28.01.2019 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

Artikel mit anderen teilen