Kinosaal im Kino "Schmelzer Lichtspiele" (Foto: SR)

Kinobetreiber im Saarland fürchten um ihre Existenz

Matthias Braun   19.08.2020 | 10:38 Uhr

Strenge Hygienevorschriften, kaum neue Filme und entsprechend ausbleibende Zuschauer: Für die deutsche Kinobranche wird es langsam eng. Besonders der Mittelstand fürchtet um seine Existenz und hat deshalb jetzt in einem offenen Brief an die Bundesregierung kurzfristig weitere finanzielle Hilfen und einen Kinogipfel gefordert, um die drängendsten Probleme zu besprechen. Auch das Saarland bleibt davon nicht verschont.

Die Kinos im Saarland haben im Juni zwar unter Auflagen wieder eröffnet, wirklich angelaufen ist das Geschäft aber seitdem nicht. Robert Haas führt die Kinos in Illingen, Saarlouis, St. Wendel und Lebach. Er hängt ein Plakat des Science-Fiction Thrillers „Tenet“ in den Schaukasten des Illinger Union-Theaters. Dieser Film startet nächste Woche und gilt als Hoffnungsschimmer für die ganze Branche. Denn der Umsatzeinbruch ist dramatisch. Die Kinos von Haas schreiben seit März rote Zahlen. Etwa 80 Prozent der Einnahmen seien ihm bisher verloren gegangen, sagt er.

Video [aktueller bericht, 18.08.2020, Länge: 2:57 Min.]
Kinos fürchten Pleitewelle

Diese Zahl nennt auch Andrea Lauer, Geschäftsfüherin der Saarbrücker City-Kinos UT und Passage. Beim Rundgang durch die Säle des UT erzählt sie von Tagen mit weniger als zehn Besuchern. Ein großes Thema für sie und andere Kinobetreiber sind zudem die nach wie vor strengen Vorgaben zum Social-Distancing, die die Besucherkapazitäten zwangsläufig sehr einschränken. Wenn viele Leute zum Film "Tenet" kommen, müssen sie auf mehrere Säle aufgeteilt werden. Das bedeutet aber, dass wenig andere Filme gezeigt werden können. In jedem Fall führt das zu weiteren Verlusten.

Finanzhilfen und Lockerungen erhofft

Kinobetreiber hoffen auf Lockerungen.
Audio [SR 3, Matthias Braun, 19.08.2020, Länge: 02:48 Min.]
Kinobetreiber hoffen auf Lockerungen.

Von einem kostendeckenden Betrieb könne keine Rede sein. Deshalb hofft auch Robert Haas auf kurzfristige Finanzhilfen. Die seien zwar wichtig, weil sie das Problem aber nur zum Teil lösen, sollen beim "Kinogipfel" die Verantwortlichen zusammenkommen. Die Kinobetreiber hoffen auf Lockerungen bei den Hygienevorschriften. Aber auch beim zeitlichen Abstand zwischen Kino- und Streamingauswertung, der sich in den letzten Monaten teilweise stark verringert hat.

Tenets Erfolg wird jedenfalls mit darüber entscheiden, ob die Verleiher potenzielle Blockbuster wie den neuen James Bond oder Wonder Woman 1984 noch in diesem Jahr zeigen. Wenn ja, könnten Kinobetreiber wie Lauer und Haas vielleicht bald ein wenig aufatmen.

 Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Nachmittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 19.08.2020 berichtet.

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