Ein leerer Aufenthaltsraum in einer geschlossenen Kita.  (Foto: picture alliance/dpa | Sina Schuldt)

Viele offene Fragen beim Kinderkrankengeld

Lisa Krauser / Onlinefassung: Axel Wagner   08.01.2021 | 12:35 Uhr

Schulen sind geschlossen, der Kitabetrieb läuft nur eingeschränkt – für Eltern ist es deshalb erst einmal eine wichtige und gute Nachricht: Sie sollen auch dann Kinderkrankengeld bekommen, wenn ihre Kinder nicht in der Kita oder Schule betreut werden können. Wir geben Antworten zu dem, was bislang bekannt ist.

Das Kinderkrankengeld soll in jedem Fall gezahlt und 2021 sogar noch aufgestockt werden. Das haben Bund und Länder am Dienstag beschlossen. Nur wie genau Eltern an das Geld herankommen ist noch völlig unklar.

Um wie viele Tage geht es?

Wie funktioniert das mit dem Kinderkrankengeld?
Audio [SR 3, Lisa Krauser, 08.01.2021, Länge: 02:40 Min.]
Wie funktioniert das mit dem Kinderkrankengeld?

Normalerweise hat jedes Elternteil Anspruch auf zehn Kinderkrankentage im Jahr. Die sollen für 2021 aufgestockt werden, auf insgesamt 20 pro Elternteil. Alleinerziehende bekommen insgesamt 40 Kinderkrankentage. Das gilt explizit auch dann, wenn das Kind gar nicht krank ist, sondern wenn Eltern ihre Kinder daheim betreuen müssen, weil die Schule oder der Kindergarten pandemiebedingt geschlossen ist. Auch wenn die Einrichtungen nicht komplett zu sind, sondern der Betrieb nur eingeschränkt ist, wie momentan etwa in den Kitas, soll es das Kinderkrankengeld geben. Und zwar generell für Kinder unter zwölf Jahren.

Wie kommt man an das Geld ran?

Das ist noch völlig offen. Klar ist: Es funktioniert nicht, indem man zum Kinderarzt geht und dort um einen Attest bittet. Denn die Ärzte würden sich strafbar machen, wenn sie ein Kind krankschreiben, obwohl es gar nicht krank ist. Auch im saarländischen Gesundheitsministerium weiß man noch nichts Genaues. Auf SR-Anfrage heißt es, man warte auf die Vorlage vom Bund.

Unklar ist zum Beispiel noch, ob auch Selbstständige Anspruch auf das Geld haben. Eltern, die im Homeoffice arbeiten, sollen laut Familienministerin Franziska Giffey (SPD) Geld bekommen. Es sei mittlerweile klar, dass Homeoffice und Homeschooling nicht zusammen gingen, heißt es aus Berlin. Sicher ist das aber noch nicht.

Wer bezahlt die zusätzlichen Kinderkrankentage?

Auch das ist noch unklar. Die Krankenkassen, die in der Regel das Kinderkrankengeld bezahlen, lehnen die Kostenübernahme bisher ab – zumindest dann, wenn das Kind gar nicht krank ist, sondern die Eltern nur wegen eingeschränkter Betreuungsmöglichkeiten daheim bleiben müssen. In diesem Fall sehen sie sich nicht dafür zuständig. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen geht davon aus, dass die Maßnahme staatlich finanziert wird.

Wann soll es mehr Informationen geben?

Nächste Woche soll es wohl Klarheit geben. Dann kommt der Bundestag zum ersten Mal in diesem Jahr zusammen, und da könnte eine Regelung beschlossen werden. In Berlin wird unterdessen Druck gemacht: Nicht nur von der SPD-Fraktion heißt es, Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen müssen, bräuchten jetzt dringend Planungssicherheit und Unterstützung.

Gerade für Eltern ist die derzeitige Situation auf jeden Fall unbefriedigend. Immerhin gibt es ja auch noch den Corona-Sonderurlaub für Eltern, die die Kinder daheim betreuen müssen.

Über dieses Thema hat auch die SR3 Region am Mittag vom 08.01.2021 berichtet.

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