Animation zu den Auswirkungen des Endes der Lohnfortzahlung (Foto: SR)

"Das Thema spaltet die Gesellschaft, daran muss man arbeiten"

Gespräch: Simin Sadeghi / Karin Mayer   22.09.2021 | 12:45 Uhr

Wer Kontakt zu einem Corona-Erkrankten hatte und selbst nicht geimpft ist, der muss in Quarantäne. Mindestens fünf Tage - also eine ganze Arbeitswoche. Bisher gab es dafür weiter Lohn. Das soll sich bald ändern. Die Gesundheitsminister haben über eine einheitliche Linie beraten und mehrheitlich entschieden: Bei Verdienstausfällen wegen angeordneter Corona-Quarantäne sollen die meisten Nicht-Geimpften spätestens ab 1. November keine Entschädigung mehr bekommen. Wie schätzen das die Arbeitgeber und Gewerkschaften im Saarland? Dazu im Studiogespräch: Karin Mayer aus der SR-Wirtschaftsredaktion.

Wer hat bisher die Kosten für die Quarantäne übernommen?

Das hat bislang der Staat getan. Wenn das Gesundheitsamt die Quarantäne für einen Gesunden anordnet, dann zahlt erst der Arbeitgeber, aber kann sich das Geld dann vom Staat zurückholen.

Der saarländische Ministerpräsident Hans hat sich bereits dafür ausgesprochen, den Lohnersatz vom Staat für Ungeimpfte zu streichen. Wie stehen Arbeitgeber im Saarland dazu?

"Das Thema spaltet die Gesellschaft und daran muss man arbeiten"
Audio [SR 3, Studiogespräch: SImin Sadeghi / Karin Mayer, 22.09.2021, Länge: 03:19 Min.]
"Das Thema spaltet die Gesellschaft und daran muss man arbeiten"

Die Vereinigung der saarländischen Unternehmensverbände, VSU, sagt, grundsätzlich sei es richtig, dass die Lohnfortzahlung für Ungeimpfte nicht weitergezahlt wird. Es sei eine freie Entscheidung, sich nicht impfen zu lassen. Dann müsse der Einzelne aber auch das Risiko tragen, wenn er in Quarantäne geschickt wird. Dieses müsse dann nicht mehr die Allgemeinheit tragen.

Aber: Die Arbeitgeber dürfen im Fall einer Quarantäne nicht fragen, ob eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter geimpft ist. Die Arbeitgeber verlangen jetzt ein umfassendes Fragerecht, zumindest für den Fall der Quarantäne, damit sie entscheiden können, ob sie selbst die Lohnfortzahlung übernehmen. Sonst besteht das Risiko, dass das Unternehmen auf den Kosten sitzen bleibt.

Wie schätzen die Gewerkschaften das ein?

Der Deutsche Gewerkschaftsbund, DGB, und ver.di sehen das kritisch. Sie sprechen von einer Impfpflicht durch die Hintertür. Da geht es um Datenschutz für die Beschäftigten. Die Arbeitskammer des Saarlandes spricht von einem Fragerecht durch die Hintertür. Der Sozialverband VdK lehnt das Auskunftsrecht ebenfalls ab.

Sie sind dafür, weiter fürs Impfen zu werben und die Menschen zu überzeugen. Das hat sich in letzter Zeit aber als schwierig herausgestellt. Ein Problem könnte nun sein, dass einige sich einfach krank schreiben lassen und nicht mehr mitteilen, dass sie in Quarantäne sind - oder sie gehen gar nicht erst in Quarantäne. Und dann steigt wiederum die Ansteckungsgefahr.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Mittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 22.09.2021 berichtet.

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