Jens Colling, Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände  (Foto: VSU)

"Auf Schönheitslemente wie Gebäude-Beleuchtung kann man als Erstes verzichten"

Dorothee Scharner / Jens Colling   28.07.2022 | 11:50 Uhr

Die EU-Staaten haben sich auf einen Gas-Notfallplan für diesen Winter geeinigt. Der Gas-Verbrauch soll um 15 Prozent reduziert werden. Deutschland muss voraussichtlich etwas mehr sparen. VSU-Geschäftsführer Colling spricht von Produktionsketten und dass es gar nicht so einfach sei zu entscheiden, welche Industrien abgeschaltet werden sollten.

Die Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände (VSU) ist laut Geschäftsführer Jens Colling seit vielen Wochen im Austausch mit den saarländischen Unternehmen. Thema: Wie kann der Energieverbrauch reduziert werden? Dabei gehe es vor allem ums Gas. Es gebe schnelle Lösungen und langfristige, diese seien aber mit einigem Aufwand verbunden, so Colling.

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"Auf Schönheitslemente wie Gebäude-Beleuchtung kann man als Erstes verzichten"
Audio [SR 3, Dorothee Scharner / Jens Colling, 28.07.2022, Länge: 03:58 Min.]
"Auf Schönheitslemente wie Gebäude-Beleuchtung kann man als Erstes verzichten"

Kurzfristige Lösungen

Die schnellen seien eher begrenzt. Aus der Arbeit mit den Energieeffizienz-Netzwerken gehe hervor, dass die Unternehmen viel Sparpotential finden könnten - zum Beispiel, in dem Stromfresser ermittelt werden. Eine konsequente Energieüberwachung ermögliche auch, Fehlfunktionen und Defekte schneller zu erkennen.

Viele Geräte brauchten auch nicht im Standby-Betrieb zu bleiben. Beleuchtung könnte auf LED umgerüstet und, wo sie nicht wirklich notwendig ist, gleich ganz abgeschaltet werden. Das gelte auch für die Beleuchtung von Gebäuden, so Colling. So habe beispielsweise das Heizkraftwerk Römerbrücke die Beleuchtung des großen Schornsteins abgeschaltet.

In der Industrie sei Druckluft auch ein großes Thema. "Die Optimierung der Druckluftversorgung kann zu hoher Energieeinsparung führen", sagt Colling.

Und last but not least: die Klimatisierung. Wärmeeinstrahlung durch die Fenster könne durch eine spezielle Folie verringert werden.

Brennöfen nicht einfach austauschen

Die sensibelste Branche mit Blick auf die Energieversorgung sei die Chemieindustrie. "Dort wird Gas als wichtiger Grundstoff eingesetzt, aus dem wieder neue Produkte entstehen."

Ebenso betroffen ist die Keramik- und Glasindustrie, oder auch die Schraubenhersteller. Von denen hänge wiederum vieles andere an Produktionsketten ab, so Colling. "Vor diesem Hintergrund ist die Frage nicht einfach zu beantworten, welche Industrien zuerst abgestellt werden können."

Langfristige Maßnahmen beträfen etwa Brennöfen in den Unternehmen. Die seien sehr energieträchtig, "die werden gebraucht und können nicht einfach mal abgeschaltet und durch Öfen ersetzt werden, die mit Strom betrieben werden." Das setze umfangreiche Planungen und hohe Investitionen voraus.

Ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" am 28.07.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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