11.08.2020, Belarus, Minsk: Zwei Frauen sprechen mit einem Bereitschaftspolizisten, während Sicherheitskräfte einen Teil einer Straße blockieren (Foto: dpa / picture alliance / AP / Sergei Grits)

"Es geht um Menschenrechte in Weißrussland"

Interview Nadine Thielen / die Belarussin Irina   18.08.2020 | 16:09 Uhr

Seit Wocheen gehen zahlreiche Menschen in Belarus, dem ehemaligen Weißrussland, auf die Straße: Sie protestieren gegen Präsident Lukaschenko. Im Saarland beobachten knapp 200 Belarusen, was in Ihrer Heimat vor sich geht. Eine davon ist Irina. Sie hat die Hälfte ihres Lebens in Belarus gelebt. Seit 21 Jahren lebt sie im Saarland.

Irina aus dem Saarland: "Dieses Ausmaß an Protest habe ich nicht erwartet"
Audio [SR 3, Interview Nadine Thielen / die Belarussin Irina, 18.08.2020, Länge: 03:49 Min.]
Irina aus dem Saarland: "Dieses Ausmaß an Protest habe ich nicht erwartet"

Auf den Straßen von Weißrussland entlädt sich der Protest gegen Präsident Lukaschenko. Nach offiziellen Angaben haben ihn 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger gewählt. Lukaschenko ist seit 26 Jahre im Amt. Er gilt als letzter Diktator in Europa. Auch weiterhin denkt er nicht ans Aufgeben. Anzeichen dafür gebe es jedenfalls nicht.

Für Irina geht es nicht nur um Politik, sondern um die Menschenrechte, die verletzt werden. Die Gewalt, die nach den Wahlen in Belarus stattgefunden hat, habe die Welt schockiert, sagt sie. Selbst die Polizei, sogar Gefängniswärter seien von den Vorgängen schockiert gewesen.

Vor den Wahlen war Irina überrascht, dass so viele Menschen bereit waren, dieses Mal die Wahlen nicht zu ignorieren. Bis dahin habe jeder einigermaßen gut leben können, der sich nicht politisch geäußert habe.

Zum ersten Mal habe es nun ernst zunehmende Gegenkandidatinnen gegebengab. Nach den Wahlen hatte Irina nun mit Protesten gerechnet, aber nicht in diesem Ausmaß. Sie war, sagt sie, vor allem beeindruckt, wie friedlich die Proteste verlaufen seien.

Die Familie lebt noch in Belarus

Die staatlichen Medien veröffentlichen immer mehr, was tatsächlich passiert. Sie weigern sich, zeigt sich Irina überzeugt, zunehmend, Lügen zu verbreiten. Irinas Familie ist noch in Belarus. Sie sei vorher, meint sie, darauf angewiesen gewesen, Informationen von außerhalb zu bekommen.

Mit der aktuellen Regierung könne keine Gerechtigkeit hergestellt werden. Irina, so sagt sie hofft inständig, dass für die Menschen im Land alles friedlich weiter geht. "Das hoffe ich", bekräftigt sie.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Nachmittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 18.08.2020 berichtet.

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