Ein Ford wird im Werk Saarlouis gebaut (Foto: picture alliance/dpa | Oliver Berg)

"Wir müssen nicht immer auf vier Rädern denken"

Interview: Prof. Horst Wieker, HTW Saar

Interview: Simin Sadeghi   23.06.2022 | 13:00 Uhr

Für Ministerpräsidentin Rehlinger steht fest: Es wird weitergehen am Fordstandort in Saarlouis - mit oder ohne Ford. Doch welche Optionen hat das Saarland? Horst Wieker von der HTW Saar sieht im Zweiradbereich eine Chance für die Zukunft. Ebenso wie beim Thema "Digitale Mobilität".

Wie geht es weiter mit dem Fordwerk in Saarlouis, für die 4600 Beschäftigten und die rund 2000 Mitarbeiter in der Zuliefererindustrie, nachdem das Unternehmen entschieden hat, seine neuen E-Autos nicht am Standort in Saarlouis zu bauen?

Audio

Wieker: "Es gibt weltweit eine riesige Überkapazität an Produktionsstätten"
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi, 23.06.2022, Länge: 04:12 Min.]
Wieker: "Es gibt weltweit eine riesige Überkapazität an Produktionsstätten"

Für Professor Horst Wieker von der saarländischen Hochschule für Technik und Wirtschaft kam die Entscheidung von Ford nicht wirklich überraschend. "Wir haben es weltweit mit einer riesigen Überkapazität an Produktionsstätten in diesem Bereich zu tun", sagt er. Dass die Fahrzeughersteller nun nach und nach anfangen, sich von Werken zu trennen, sei leider ein normaler Prozess.

Zweirad statt Vierrad

Für den Standort Saarlouis sieht Wieker durchaus Zukunftschancen. "Wir haben hier hoch qualifizierte Mitarbeiter und wir müssen vielleicht nicht nur auf vier Rädern denken." So sieht er beispielsweise in der Zweiradproduktion durchaus eine Möglichkeit. Fahrräder seien eines der großen Zukunftsthemen bei der Mobilität, wobei natürlich klar sei, dass das kein vollwertiger Ersatz für die bisherige Autoproduktion sein könne. Aber Produktionsstraßen und auch die Fachkräfte würden sich für die Herstellung von hochwertigen Fahrrädern schon anbieten.

Das große Zukunftsthema: Digitale Mobilität

Ein weiteres großes Thema sei die digitale Mobilität, also das autonome Fahren. Und da habe das Saarland bereits einige nennenswerte Projekte aufzuweisen - zum Beispiel das Projekt "PIA Shuttle", das für ZF weltweit durchgeführt wird. Ebenso wie das Projekt "Terminal", bei dem es um automatisiertes Fahren im ländlichen Raum geht. "Und wir sind gerade dabei, die nächsten größeren Schritte zu planen, dass wir das das Saarland in die Richtung "Digitale Mobilität" im ländlichen Raum nach vorne bringen."


Mehr zum Thema


Bieterwettstreit um E-Auto
Ford-Konzern entscheidet sich gegen Saarlouis
Die Entscheidung ist gefallen: Der Ford-Konzern wird sein neues E-Auto künftig nicht in Saarlouis, sondern in Valencia bauen lassen. Wie die Zukunft für den saarländischen Standort und die insgesamt mehr als 6000 Mitarbeiter aussieht, ist ungewiss.


Ford weiter mitverantwortlich
Rehlinger will Potenzial des Ford-Standorts nutzen
Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) zeigt sich nach der Entscheidung von Ford für Valencia tatkräftigt. Das wichtigste Ziel sei, so viele Arbeitsplätze zu erhalten wie möglich. Dafür müsse man das Potenzial des Standorts nutzen – egal ob mit oder ohne Ford. Der Konzern wäre aber nicht aus der Verantwortung.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 23.06.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja