Stempel mit den Aufschriften „Bürgergeld“ und „Hartz IV“ (Foto: picture alliance / SULUPRESS.DE | Torsten Sukrow)

"Das Bürgergeld ist sozialer als Hartz IV"

Interview: Simin Sadeghi   28.10.2022 | 13:32 Uhr

Der Sozialverband VdK im Saarland begrüßt die Einführung des Bürgergeldes und hält die damit verbundene Förderung von Weiterbildung für genau den richtigen Weg.

18 Jahre gab es Hartz IV in Deutschland und seit mindestens 18 Jahren hagelt es Kritik daran. Ab Januar soll nun das sogenannte Bürgergeld die Hartz-IV-Leistungen ablösen. Arbeitsminister Hubertus Heil spricht von der größten Sozialreform der letzten Jahrzehnte. Mit dem Bürgergeld sollen die Regelsätze um gut 50 Euro im Monat steigen - auf 502 Euro. Außerdem soll es weniger Sanktionen geben - zum Beispiel Geldkürzungen. Und es sollen mehr Anreize zum Arbeiten geschaffen werden. Zum Beispiel mit Weiterbildungsprämien.

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"Das Bürgergeld ist sozialer als Hartz IV"
Audio [SR 3, Simin Sadeghi / Wolfgang Lerch, 28.10.2022, Länge: 05:34 Min.]
"Das Bürgergeld ist sozialer als Hartz IV"
Interview mit Wolfgang Lerch vom Sozialverband VdK

"Qualifikation ist das A und O"

Wolfgang Lerch vom Sozialverband VdK hält das Bürgergeld für sozialer als die Hartz-IV-Reglung. Die Ansätze seien richtig - "insbesondere die Menschen zu befähigen, in den Arbeitsmarkt hinein zu kommen und dabei ist die Qualifikation das A und O." Bisher sei es so gewesen, dass die Betroffenen irgendeinen Job annehmen mussten, jetzt bestehe die Möglichkeit zu einer verstärkten Weiterbildung. Und da ein großer Teil der Hartz-IV-Bezieher keine Ausbildung habe, sei dies eine gute Lösung - auch mit Blick auf den Fachkräftemangel.

Im Saarland für 80.000 Menschen relevant

Im Saarland seien es fast zehn Prozent der Bevölkerung, die zurzeit Grundsicherung erhalten, sagt Lerch. "Das sind 80.000 Menschen, die das betrifft."

Dass das erhöhte Bürgergeld und die reduzierten Sanktionen dazu führen könnten, dass die Bereitschaft zu arbeiten sinkt, glaubt Lerch nicht. Das habe es auch früher nur in Ausnahmefällen gegeben, sagt er. "Diese berühmte Sanktionsdiskussion bezieht sich auf eine ganz kleine Gruppe von zwei Prozent der Empfänger", sagt er. Die Diskussion darüber werde in der Öffentlichkeit "völlig falsch gewichtet". Nichts desto trotz sei es richtig, dass Missbrauch sanktioniert werde. Und das soll ja auch beim Bürgergeld so sein - wenn auch erst nach einem halben Jahr.


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Ein Thema in der "Region am Mittag" am 28.10.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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