Prof. Roland Rixecker zu Gast auf dem Halberg (Foto: SR / Rick Reitler)

"Aufklären, dass der Rassebegriff wissenschaftlich haltlos ist"

Interview mit Verfassungsrichter Roland Rixecker zum Rassebegriff

Renate Wanninger   19.06.2020 | 13:32 Uhr

Nach weltweiten Protesten gegen Rassismus wächst auch in Deutschland der Druck auf die Regierung, Diskriminierung ethnischer Minderheiten konsequenter zu bekämpfen. Daher ist die Debatte um den Begriff "Rasse" im deutschen Grundgesetz wieder entflammt. SR-Moderatorin Renate Wanninger hat hierüber mit Roland Rixecker, Präsident des Verfassungsgerichtshof des Saarlandes und Antisemitismusbeauftragter, gesprochen.

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Interview: "Vorrangig ist die Bekämpfung des Rassismus nicht die Bekämpfung eines Wortes"
Audio [SR 3, Renate Wanninger im Gespräch mit Roland Rixecker, 19.06.2020, Länge: 04:31 Min.]
Interview: "Vorrangig ist die Bekämpfung des Rassismus nicht die Bekämpfung eines Wortes"

Im Artikel 3, Absatz 3 des Grundgesetzes heißt es:

"Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden."

Aktuell steht der Begriff "Rasse" allerdings schwer in der Kritik und es gibt Debatten darum, dass der Begriff aus der Landesverfassung gestrichen oder ausgetauscht werden soll. Antisemitismusbeauftragter Roland Rixecker sieht die Debatte über Rassismus für dringend notwendig, die über das Grundgesetz allerdings für weniger dringend. Mit der Streichung des Wortes Rasse "würde kein einziger rassistischer Angriff verhindert", sagt Rixecker. Die vorrangige Aufgabe der Politik müsse sein, den Rassismus und seine heimliche Verbreitung und seine gewalttätigen Ausbrüche zu bekämpfen.

Man müsse offen für eine Diskussion sein

Rixecker meint aber auch, dass man angesichts der wissenschaftlichen Haltlosigkeit des Rassebegriffs offen für eine Diskussion sein müsse. Gleichzeitig brauche es in der Verfassung weiterhin ein Diskriminierungsverbot wegen rassistischer Einstellungen. Wolle man den Rassebegriff ersetzen, sei allerdings fraglich, welcher Begriff an die Stelle des Rassebegriffs treten könne. Eine solche begriffliche Änderung allein genüge allerdings nicht. Vielmehr bedürfe es weiterhin der Aufklärung gegen jegliche Diskriminierung.

Ein Thema auf SR 3 Saarlandwelle am 19.06.20 in der Sendung "Region am Nachmittag".

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