Interview: "Antisemitische Vorfälle haben sich gegenüber den Vorjahren deutlich vermehrt"

„Antisemitische Vorfälle haben sich gegenüber den Vorjahren deutlich vermehrt“

Audio [SR 3, Interview: Siegfried Lambert, 19.08.2019, Länge: 03:53 Min.]

Interview: Siegfried Lambert   19.08.2019 | 16:30 Uhr

Der Präsident des Zentralrates der Juden beklagt, dass in Deutschland Gewalt gegen Juden zunehme. Dazu im SR-Interview: Prof. Roland Rixecker, seit Anfang des Jahres Beauftragter für jüdisches Leben im Saarland.

Schürt die AfD den Hass gegen Juden und trägt sie dazu bei, dass der Antisemitismus inzwischen in Deutschland in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist? Das behauptet jedenfalls der Präsident des Zentralrates, Josef Schuster.

Auch im Saarland sei die Zahl antisemitischer Vorfälle gegenüber den vorangegangenen Jahren gestiegen, „aber im Vergleich zu den großen Ballungsgebieten - insbesondere Berlin - hält es sich in Grenzen“, sagt Prof. Roland Rixecker, Beauftragter für jüdisches Leben im Saarland, im SR-Interview. „Man sollte aber darauf achten, dass diese Grenzen nicht weiter ausgedehnt werden“, so Rixecker. Und wie immer, wenn es um menschenverachtendes Verhalten gehe, sei es einfach wichtig, Mut zu zeigen „und sich an die Seite der Opfer zu stellen“.

Versteckter Antisemitismus

Nicht immer äußere sich Antisemitismus jedoch offen, indem Menschen direkt beleidigt, Friedhöfe geschändet oder Synagogen beschmiert werden. Es gebe auch einen versteckten, sekundären Antisemitismus, so Rixecker. Und einen solchen sekundären Antisemitismus habe zum Beispiel auch der thüringische AfD-Fraktionsvorsitzende Björn Höcke gezeigt mit seinen Äußerungen zu der Notwendigkeit einer erinnungspolitischen Wende.

Instrumentelle Verwendung des Antisemitismus

Dass die judenfeindlichen Tendenzen vor allem durch die Einwanderung aus islamischen Ländern komme, wie es Björn Höcke behaupte, entspreche nicht den Tatsachen, sagt Rixecker. Dies sei typisch für eine instrumentelle Verwendung des Antisemitismus. „Das Problem soll abgeschoben werden auf Muslime, auf die Migration. Dabei wird völlig übersehen, dass der weitaus größte Teil rechtsextremistisch-antisemitischer Straftaten durch Deutsche, die keinen Migrationshintergrund haben, begangen wird.“

Ein Thema in der „Region am Nachmittag“ am 19.08.2019 auf SR 3 Saarlandwelle

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