Laptop (Foto: dpa)

"Sie haben die Daten offen ins Netz gestellt"

Interview: Eberhard Schiling/Philipp Eckstein   02.11.2018 | 10:30 Uhr

Hacker haben zahlreiche sensible Daten des französischen Bauunernehmens Ingérop erbeutet. Wie NDR, die Süddeutsche Zeitung und Le Monde berichten, befinden sich darunter Baupläne von Gefängnissen und Dokumente über Atomanlagen, wie das Kernkraftwerk Fessenheim im Elsass und das geplante Atommüllendlager im lothringischen Bure. Wer hinter dem Hackerangriff steckt, ist bisher unklar. Dazu im Interview: Philipp Eckstein vom NDR.

Audio

Interview: "Sie haben die Daten offen ins Netz gestellt und jeder kann darauf zugreifen"
Audio [SR 3, Interview: Eberhard Schilling/Philipp Eckstein, 02.11.2018, Länge: 02:53 Min.]
Interview: "Sie haben die Daten offen ins Netz gestellt und jeder kann darauf zugreifen"

Was genau wurde bei dem Hackerangriff auf das französische Bauunternehmen Ingérop erbeutet? Wie brisant sind die Daten? Und wer könnte dahinter stecken? Es gehe um einen Datensatz von rund 11.000 Dokumenten, sagt Philipp Eckstein vom NDR im SR-Interview. Es handele sich größtenteils um Baupläne. "Sie beziehen sich auf insgesamt zwölf Bauvorhaben und Projekte." Darunter zum Beispiel Baupläne zum Einsatz von Überwachungstechnik in Gefängnissen. Viele Daten bezögen sich aber auch auf ein geplantes Atommüll-Endlager im Nordosten Frankreichs.

Unterschiedliche Einschätzung der Sicherheitsgefahr

Die Daten seien von den Hackern offen und für jeden frei zugänglich ins Netz gestellt worden - und da stelle sich nun die Frage: Wie brisant sind die Daten? "Die französischen Behörden gehen davon aus, dass die Offenlegung dieser Daten geeignet sei, die nationale Sicherheit Frankreichs zu gefährden", sagt Eckstein. Es gebe aber auch Sicherheitsexperten, die sagen, dass die Pläne - zum Beispiel von den Gefängnissen - auch abschreckend wirken könnten, da sie den hohen Sicherheitsstandart dokumentieren würden.

Kritik der Atomkraftgegner an Ingérop

Noch ist offen, wer hinter dem Hackerangriff steckt. Französische Aktivisten hätten aber in der Vergangenheit immer wieder das Unternehmen Ingérop kritisiert, das ja auch an den Planungen für das atomare Endlager beteiligt ist, und auch dazu aufgerufen, Informationen öffentlich zu machen. Der Hackerangriff komme manchen Atomkraftgegern deshalb vermutlich nicht ungelegen, sagt Eckstein.


Mehr zum Thema


tagesschau.de
Hacker erbeuten Pläne von Atomanlagen
Hacker haben Tausende sensible Dateien von den Servern eines französischen Konzerns gestohlen. Das Unternehmen ist auch am Bau von Atomanlagen und Gefängnissen beteiligt.

Über dieses Thema wurde auch in den "Bunten Funkminuten" am 02.11.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

Artikel mit anderen teilen