Schweinehälften passieren ein Kontrollterminal in einem Schlachthof. (Foto: picture alliance / Ingo Wagner/dpa)

"Wildwest-Zustände in der Fleischbranche beenden"

NGG für Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit in Fleischindustrie

Renate Wanninger im Gespräch mit NGG-Geschäftsführer Mark Baumeister   02.09.2020 | 12:25 Uhr

In einem Appell an die Bundestagsabgeordneten im Regionalverband Saarbrücken fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Saarland (NGG), für ein Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit zu stimmen. Im SR-Interview übt NGG-Geschäftsführer Mark Baumeister heftige Kritik auch an der saarländischen Fleischindustrie.

"Wildwest-Zustände in der Fleischbranche beenden"
Audio [SR 3, Interview: Renate Wanninger / Mark Baumeister, 02.09.2020, Länge: 04:02 Min.]
"Wildwest-Zustände in der Fleischbranche beenden"

Nachdem durch Corona-Fälle die teils unwürdigen Arbeitsbedingungen in der deutschen Fleischindustrie in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt sind, möchte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) per Gesetz ein Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit in der Branche durchsetzen. Unterstützung erhält das Gesetzesvorhaben auch von der NGG Saarland. Die hat sich nun mit klaren Worten an die Bundestagsabgeordneten im Regionalverband Saarbücken gewandt.

"Freiwillige Selbstverpflichtungen eine Mogelpackung"

Mark Baumeister, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Saarland, NGG (Foto: SR)

Im SR-Interview betont NGG-Geschäftsführer Mark Baumeister, dass Selbstverpflichtungen zur Zahlung von Tariflöhnen, wie sie beispielsweise der Fleischkonzern Tönnies in Nordrhein-Westfalen umsetzen wollte, reine Mogelpackungen seien.

Es brauche nun das Handeln des Gesetzgebers. Das geplante Gesetz müsse ohne Änderungen durchgesetzt werden. Vor allem die FDP-Abgeordneten müsse man hier noch überzeugen, so der Gewerkschafter. Neben dem Verbot von Leih-und Werkverträgen fordere man außerdem einen flächendeckenden Tariflohn.

"Wir haben als Gesellschaft zu lange weggeguckt"

Auch das Saarland sei unmittelbar betroffen, mahnt Baumeister. Man habe in der saarländischen Fleischindustrie ähnliche Zustände wie in den Großbetrieben in Norddeutschland, nur eben eine Nummer kleiner. Dies könne man jeden Tag in den regionalen Betrieben beobachten. Auch hier würden durch Subunternehmer Gastarbeiter aus Osteuropa am Betrieb regelrecht abgeladen und nach zwölf bis vierzehn Stunden wieder zu ihren Sammelunterkünften in "Schrottimmobilien" zurückgebracht.

"Einseifen von Politikern"

Gründe, warum es seit Jahren keine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie gebe, sehe Baumeister in der starken Vernetzung der Branche mit der Politik. Durch Sponsoring und Lobbyarbeit habe die Branche Politiker in ganz Deutschland eingeseift, kritisiert Baumeister.

Ein Thema in der "Region am Mittag" vom 02.09.2020 auf SR 3 Saarlandwelle.

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