Impfdosen werden aufgezogen. (Foto: picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod)

"Alle Menschen impfen, die besonders gefährdet sind"

Interview: Renate Wanniger   03.11.2021 | 16:10 Uhr

Am 3. November waren die Auffrischimpfungen Thema im Gesundheitsausschuss des saarländischen Landtags. Der Ausschuss-Vorsitzende Magnus Jung (SPD) forderte ein schnelleres Tempo bei den Booster-Impfungen. Im SR-Interview begründet er seine Forderung.

SR: Herr Jung, Sie bemängeln das Tempo bei den Auffrischimpfungen. Warum?

Magnus Jung: Wir müssen in der nächsten Zeit schauen, dass wir alle Menschen impfen, die besonders gefährdet sind, wenn sie die Auffrischimpfung nicht erhalten. Das sind die, die über 70 sind, die vulnerabel sind oder zu bestimmten Berufsgruppen gehören. Insgesamt sind das 175.000 Saarländerinnen und Saarländer. Bislang haben erst 25.000 eine dritte Impfung erhalten.

SR: Das heißt, bei den Jüngeren braucht es kein so hohes Impftempo?

Magnus Jung: Wir fangen auf jeden Fall bei denen an, die das größte Risiko haben. Das sind die Älteren. Ob diejenigen geimpft werden sollen, die jünger sind - dazu gibt es noch keine Empfehlung der StiKo. Es ist aber durchaus wahrscheinlich, dass es auch in diese Richtung in der nächsten Woche gehen könnte.

SR: Wie wollen Sie bei den Älteren jetzt für eine Drittimpfung werben?

Magnus Jung: Wir haben der Landesregierung den Vorschlag gemacht, alle anzuschreiben, die jetzt von der StiKo eine Empfehlung haben für eine solche Impfung. Also die rund 175.000 über die Vorteile der Impfung zu informieren. Denn die Impfung schützt zumindest zum Teil gegen eine Infektion. Sie schützt in jedem Fall aber gegen schwere Verläufe oder gegen Todesfälle.

SR: Sie sagen, wie Bundesgesundheitsminister Spahn auch, dass wir die Impfzentren doch noch brauchen?

Magnus Jung: Ich sage nicht, dass wir sie brauchen. Sondern ich sage, dass wir uns diese Option offen halten sollten. Die Impfzentren in Neunkirchen und Saarlouis sind ja sozusagen im Standby-Modus. Das heißt: Wenn wir sie brauchen würden, könnten wir sie relativ schnell wieder öffnen. Ob es soweit kommt, wird man sehen. Zunächst einmal gehen wir davon aus, dass die Hausärzte in der Lage sind, die notwendigen Impfungen in den Praxen durchzuführen.

SR: Fordern Sie insgesamt wieder schärfere Maßnahmen - wie zum Beispiel die 3G-Regel für Außenveranstaltungen?

Magnus Jung: Ich sehe im Moment nicht die Notwendigkeit, Maßnahmen zu verschärfen. Wir wollen die Schutzmöglichkeiten, die wir haben, nutzen. Das ist einerseits die dritte Impfung für diejenigen, die bereits geimpft sind. Das sind aber auch die Erst- und Zweitimpfung für diejenigen, die noch nicht geimpft sind. Das ist auch noch eine beachtliche Zahl von Menschen. Noch rund 25 Prozent sind im Saarland noch nicht geimpft. Und an die kann man nur die dringende Bitte richten, sich jetzt auch impfen zu lassen, um damit sich und andere zu schützen.

SR: Seit zwei Tagen fallen die Infektionszahlen in Deutschland wieder. Und das Saarland verzeichnet ebenso niedrige Infektionszahlen. Wie sinnvoll ist das also noch?

Magnus Jung: Wir gehen davon aus, dass sich die Infektionszahlen in den Herbst- und Wintermonaten eher nochmal erhöhen werden, als dass sie sinken werden. Und der beste Schutz ist eine erfolgreiche Impfkampagne.

Das Interview führte Renate Wanninger.

Das Interview zum Nachhören

"Alle Menschen impfen, die besonders gefährdet sind"
Audio [SR 3, Interview: Renate Wanninger / Magnus Jung, 03.11.2021, Länge: 03:52 Min.]
"Alle Menschen impfen, die besonders gefährdet sind"

Ein Thema in der Sendung "Region am Nachmittag" vom 03.11.2021 auf SR 3 Saarlandwelle.

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