Isolierstation eines Krankenhauses (Foto: dpa)

"Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser ist angespannt"

Interview: Thomas Jacobs, saarländische Krankenhausgesellschaft

Interview: Dorothee Scharner   27.12.2021 | 16:15 Uhr

Ein Großteil der deutschen Krankenhäuser sieht sich selbst in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Das geht aus dem jüngsten Krankenhaus-Barometer hervor. Das sei auch im Saarland so, sagt Thomas Jacobs von der Saarländischen Krankenhausgesellschaft. Er schließt nicht aus, dass einzelne Häuser in so große finanzielle Schieflage geraten könnten, dass die Träger sie nicht mehr halten können.

Viele Operationen mussten abgesagt werden, um Betten für Corona-Patienten freizuhalten.

Krankenhausgesellschaft: "Es fehlt an Liquidität, um den laufenden Betrieb zu finanzieren"
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner, 27.12.2021, Länge: 06:54 Min.]
Krankenhausgesellschaft: "Es fehlt an Liquidität, um den laufenden Betrieb zu finanzieren"

Das sei auch im Saarland so, sagt Thomas Jacobs von der saarländischen Krankenhausgesellschaft. "Die Lage für die Krankenhäuser unterscheidet sich im Grunde nicht von denen im gesamten Bundesgebiet."

Weniger Bettenbelegung, weniger Einnahmen

Hinzu komme, das aufgrund der neuen Hygienevorschriften die Belegung der Betten nicht in dem Maße erfolgen könne, wie es vor Corona möglich gewesen sei. Abstandsregeln seien einzuhalten und zudem seien Isolierstationen eingerichtet worden, "die natürlich viel weniger Patienten aufnehmen können als eine Normalstation im Normalbetrieb", so Jacobs.

Video [aktueller bericht , 27.12.2021, Länge: 3:10 Min.]
Krankenhäuser stehen wirtschaftlich schlecht da

All das wirke sich auf die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser aus. "Wir fürchten, dass das eine oder Krankenhaus massive wirtschaftliche Schwierigkeiten haben wird und noch nicht geklärt ist, wie es über die Runden kommen kann."

Es fehlt an Liquidität für die laufenden Kosten

Es gebe zwar Ausgleichszahlungen, die seien allerdings an bestimmte Kriterien gebunden. Es gebe auch einen sogenannten Ganzjahresausgleich, das heißt, "man wird Ende des nächsten Jahres sehen, wie wirtschaftlich dieses Jahr verlaufen ist und dann einen Vergleich machen zu 2019", so Jacobs. Aber bis dahin müssten die Krankenhäuser ja ihre laufenden Kosten decken. "Das heißt, es fehlt auch an Liquidität, um den laufenden Betrieb zu finanzieren."

Krankenhausschießung nicht ausgeschlossen

Jacobs will nicht ausschließen, dass im Saarland Krankenhäuser aufgrund finanzieller Schieflage geschlossen werden könnten. Und davon könnten auch die großen Häuser betroffen sein, also die sogenannten Maximalversorger. "Sie sind wirtschaftlich am meisten betroffen von den Erlösrückgängen", so Jacobs. Dabei spielten gerade diese Häuser in der Pandemie eine wichtige tragende Rolle.

Krankenhausgesellschaft sieht Politik am Zug

Die Krankenhausgesellschaft setzt nun auf die Politik. "Wir hoffen, dass das Wort des früheren Gesundheitsministers auch unter der neuen Regierung Bestand hat, dass die Krankenhäuser nicht aufgrund der Corona-Pandemie wirtschaftlichen Schaden erleiden."

Die bereits getroffene Zusage, dass die Freihaltepauschalen für nicht belegte Betten bis März kommenden Jahres weiter gelten sollen, hält Jacobs dabei nicht für ausreichend.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 27.12.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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