Ein Mitarbeiter eines Impfzentrums nimmt eine Impfdose vom Impfstoff Astrazeneca vom Tisch.  (Foto: picture alliance/dpa | Marcus Brandt)

"Bei Älteren Immunantwort auf die Impfung nicht optimal"

Interview: Dorothee Scharner   03.08.2021 | 12:15 Uhr

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben beschlossen, den Zwölf- bis Siebzehnjährigen ein Impfangebot zu machen. Außerdem soll es ab September für besonders Gefährdete wie Ältere, Pflegebedürftige und Menschen mit Immunschwäche, die Möglichkeit einer Drittimpfung geben.

Es sei festgestellt worden, dass besonders bei älteren Menschen die Immunantwort auf die Impfungen nicht optimal sei, sagt Stephan Kolling, Staatssekretär im saarländischen Gesundheitsministerium. Deshalb soll in den Altehilfeeinrichtungen und in der Behindertenhilfe sechs Monate nach der Zweitimpfung bzw. einer Genesung eine Drittimpfung angeboten werden. Dazu sollen wieder mobile Teams zum Einsatz kommen.

"Bei älteren Menschen ist die Immunantwort auf die Impfungen nicht optimal"
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner, 03.08.2021, Länge: 04:37 Min.]
"Bei älteren Menschen ist die Immunantwort auf die Impfungen nicht optimal"
Interview mit Stephan Kolling, Staatssekretär im saarländischen Gesundheitsministerium

Darüber hinaus werde es über die Haus- und Betriebsärzte das Angebot geben, dass alle, die mit einem Vektor-Impfstoff, also AstraZeneca oder Johnson&Johnson, geimpft wurden, eine sogenannte Kreuzimpfung mit BionTech oder Moderna durchführen lassen können. Ziel sei es, dadurch einen höheren Impfschutz zu erzielen.

Die ständige Impfkommission (StiKo) hat diese Auffrischungsimpfung für Ältere bisher jedoch noch nicht empfohlen. Die StiKo arbeite auf evidenzbasiertem Wissen, also auf Grundlage von Studien, "aber wir sind in einer Pandemie, in der wir nicht die Zeit haben, auf alles zu warten", sagt Kolling. "Wir müssen schauen: Wie bremsen wir den starken Aufschwung einer vierten Welle." Die Gespräche mit Immunologen und Virologen hätten ergeben: Die Chancen seien größer als die Risiken. Und es sei ja zudem ein freiwilliges Angebot.

Niedrigschwellige Impfangebote für die Gruppe der 18- bis 59-Jährigen

Der Chef der StiKo, Thomas Mertens, vertritt die Position, dass für den Verlauf einer vierten Welle die Gruppe der 18 - bis 59-Jährigen von entscheidender Bedeutung ist. Dem stimmt Kolling zu. Und in dieser Gruppe gebe es auch Aufholbedarf. "Erst 20 Prozent der Jugendlichen sind geimpft und erst 50 Prozent der Menschen bis 50 Jahre sind geimpft."

Um diese Gruppe zu erreichen, mache man deshalb zurzeit vielerorts niedrigschwellige Impfangebote, so Kolling. "Wir sind in den Einkaufszentren, in den Möbelgeschäften, in den Freibädern und bei Veranstaltungen. Wir sind überall, wo Menschen sind und das wird auch in den nächsten Wochen so weitergehen."


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