Eine Krankenschwester geht auf einem Flur an einem leeren Bett vorbei. (Foto: Sebastian Widmann/picture alliance/dpa)

"Wir hatten erhebliche Erlöseinbrüche und Mehrkosten"

Interview: Thomas Jakobs, Geschäftsführer der SKG

Interview: Renate Wanninger   22.06.2021 | 13:00 Uhr

In den Krankenhäusern wurden während der Pandemie Höchstleistungen vollbracht.Trotzdem bemängeln Fachleute, die die Bundesregierung beraten, dass die Klinik-Versorgung zu teuer, in der Pandemie teils gar verschwenderisch war. Das Gegenteil sei der Fall, sagt Thomas Jakobs, Geschäftsführer der Saarländischen Krankenhausgesellschaft (SKG) im SR-Interview. Auch dem Vorwurf, im Saarland gebe es zu viele kleine Kliniken, widerspricht er.

Wegen der Pandemie mussten auf Bitte der Landes- und Bundesregierung über viele Wochen in den Krankenhäusern planbare Eingriffe verschoben werden, sagt Thomas Jakobs.

Interview mit Thomas Jakobs, Geschäftsführer der Saarländischen Krankenhausgeschaft.

Aber "nur eine durchgeführte Operation bringt dem Krankenhaus auch Erlöse." Die Folge: erhebliche Einnahme-Einbußen. Demgegenüber hätten verschärfte Hygienebestimmungen gestanden, die Kosten verursacht hätten, die es sonst normalerweise gar nicht gebe.

Zum Beispiel der Einsatz von Sicherheitsdiensten für die Einlassregulierung oder die Ausstattung mit persönlicher Sicherheitsausrüstung. "All das hat sich negativ auf die Finanzen der Krankenhäuser ausgewirkt", sagt Jakobs.

"Mit die höchste Bettenauslastung im Bundesvergleich"

Auch der Kritik, dass es im Saarland zu viele kleine Krankenhäuser gebe, widerspricht Jakobs. "Die rund 8000 Krankenhausbetten, die wir im Saarland haben, brauchen wir auch." Das zeige sich auch daran, dass es hier mit die höchste Bettenauslastung im Bundesvergleich gebe. "Im Saarland ist jedes Krankenhausbett im Jahresdurchschnitt zu 84 bis 88 Prozent ausgelastet - die Bundesauslastung liegt bei 75 Prozent."

Dass man im "überschaubaren" Saarland eine sehr wohnortnahe Versorgung anbieten könne, sei gut, sagt Jakobs. Gut für die Patienten, ebenso wie für die Angehörigen.

Kritik am Fallpauschalensystem

Das Konzept des Fallpauschalensystems, das Anfang der 2000er bundesweit eingeführt wurde, hält er für einen falschen Weg, "weil es doch zu sehr die wirtschaftlichen Aspekte in den Vordergund gerückt hat." Die Frage nach dem Sparen stelle sich für ihn erst in zweiter Linie.

Eine gute medizinische Versorgung stehe für ihn im Vordergrund. Jakobs räumte aber ein, dass es durchaus Sparpotenzial gebe, zum Beispiel durch die Optimierung von Arbeitsabläufen in den Krankenhäusern oder die Vermeidung von Doppeluntersuchungen.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 22.06.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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