Hinweisschilder kleben an der Eingangstür zur Covid 19 Intensivstation  (Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bodo Schackow)

"Der Rettungsschirm der Bundesregierung ist unzureichend"

Thomas Jakobs, Geschäftsführer der saarländischen Krankenhausgesellschaft

Interview: Renate Wannninger   29.12.2020 | 16:15 Uhr

Deutsche Krankenhäuser schlagen wegen ihrer angespannten Finanzlage Alarm. Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft warnt: Pflegekräfte in Kliniken könnten schon bald nicht mehr bezahlt werden. Und wie sieht die Situation der Krankenhäuser im Saarland aus? Dazu im SR-Interview: Thomas Jakobs, Geschäftsführer der saarländischen Krankenhausgesellschaft.

Krankenhausgesellschaft: "Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser ist sehr angespannt"
Audio [SR 3, Interview: Renate Wanninger, 29.12.2020, Länge: 03:52 Min.]
Krankenhausgesellschaft: "Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser ist sehr angespannt"

Auch im Saarland sei die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser sehr angespannt, sagt Thomas Jakobs, der Geschäftsführer der saarländischen Krankenhausgesellschaft. "Der Rettungsschirm, den die Bundesregierung im November über den Krankenhäusern aufgespannt hat, ist unzureichend." Er sei viel zu bürokratisch und zudem an Kriterien geknüpft, die ein Abrufen der Gelder sehr schwer machte. "Bis heute ist im Saarland kein einziger Cent an Ausgleichszahlungen bei den saarländischen Krankenhäusern angekommen", so Jakobs.

Dass es einigen Krankenhäusern im Saarland derzeit finanziell besser gehe als anderen, liege daran, dass es im Frühjahr einheitlich für alle Krankenhäuser Unterstützung gegeben habe. Einzelne Krankenhäuser, die zwar Reservekapazitäten gebildet, aufgrund ihrer Struktur aber keine Coronapatienten betreut hatten, hätten sich so ein finanzelles Polster schaffen können.

Weniger Operationen als in normalen Zeiten

Dem Vorwurf, Krankenhäuser hätten versucht, während der etwas entspannteren Lage im Sommer durch möglichst viele Operationen einen Ausgleich für die finanziellen Verluste zu schaffen - auch auf Kosten des Personals - widerspricht Jakobs. Das Gegenteil sei der Fall. In den Krankenhäusern habe man zwar versucht, wieder zum Regelbetrieb zurückzukehren, es seien aber deutlich weniger Operationen durchgeführt worden als in normalen Zeiten.

Zusätzliche Belastung für die Mitarbeiter

Was für das Personal sehr belastend sei, sei die Versorgung der Coronapatienten, die wesentlich aufwändiger sei als die von normalen Patienten. Hinzu komme die immense psychische Belastung. Wenn jetzt noch die Sorge um die wirtschaftliche Existenz des eigenen Krankenhauses dazu komme, verschärfe dies die Situation noch weiter.

Seine Hoffnung sei, "dass die Politik ein Einsehen hat und die Krankenhäuser als systemrelevant einschätzt, und folglich dann auch Maßnahmen ergreift zur wirtschaftlichen Sicherung der Krankenhäuser und auch, um die Beschäftigen ein Stück weit für ihren aufopferungsvollen Dienst zu belohnen", sagt der Geschäftsführer der saarländischen Krankenhausgesellschaft.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 29.12.2020 auf SR 3 Saarlandwelle

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