Bürohaus (Foto: pixabay (CC0))

"Überstunden sollten in zusätzliche Beschäftigung übergehen"

Interview Alexander Herzog-Stein, Hans-Böckler-Stiftung

Interview: Karin Mayer   30.11.2018 | 16:45 Uhr

Zwei Milliarden Überstunden haben die Beschäftigten in Deutschland im Jahr 2017 gemacht - das sind elf Prozent mehr als im Vorjahr. Die hohe Zahl an Überstunden seien einerseits ein Zeichen dafür, "das die Wirtschaft brummt", was gut für die Einkommen der Haushalte sei, sagt Alexander Herzog-Stein von der Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes im SR-Interview. Die vielen Überstunden stellten aber auch eine Belastung für den Einzelnen und die Familien dar. Es sei deshalb sinnvoller, wenn Überstunden in zusätzliche Beschäftigung übergingen.

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Interview: "Überstunden sollten in zusätzliche Beschäftigung übergehen"
Audio [SR 3, Interview: Karin Mayer, 30.11.2018, Länge: 03:06 Min.]
Interview: "Überstunden sollten in zusätzliche Beschäftigung übergehen"
2,1 Milliarden Überstunden haben die Beschäftigten in Deutschland im Jahr 2017 gemacht - das sind elf Prozent mehr als im Vorjahr. Die hohe Zahl an Überstunden seien einerseits ein Zeichen dafür, "das die Wirtschaft brummt", was gut für die Einkommen der Haushalte sei, sagt Alexander Herzog-Stein von der Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes im SR-Interview.. Die vielen Überstunden stellten aber auch eine Belastung für den Einzelnen und die Familien dar. Es sei deshalb sinnvoller, wenn Überstunden in zusätzliche Beschäftigung übergingen.

Dass es so viele Überstunden in Deutschland gebe, hänge nicht nur mit dem Fachkräftemangel zusammen, sagt Herzog-Stein. Deutschland sei - global gesehen - "Weltmeister bei der Arbeitszeitflexibilität".

Hohe Quote unbezahlter Überstunden

Nur die Hälfte der zwei Milliarden Überstunden wurde bezahlt. Das geht laut der "Rheinischen Post" aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor. Dies sei die "Schattenseite der Flexibilität", sagt Herzog Stein. Den Gewerkschaften sei die hohe Zahl unbezahlter Überstunden bewusst. Dort, wo Tarifverträge gelten, würden die meisten Überstunden auch bezahlt bzw. mit Freitzeitausgleich vergolten. Seitens der gesetzgeberischen Seite gebe es aber"eine relativ schwache Kontrolle der Arbeitszeit und deswegen auch eine hohe Kultur vieler unbezahlter Überstunden", so Herzog-Stein. Er sieht den Gesetzgeber aber auf einem guten Weg. Durch die Mindestlohnregelung werde nun auch verstärkt auf die Arbeitszeit geschaut.


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Zwei Milliarden Überstunden im Jahr 2017
Rund 2,1 Milliarden Überstunden haben Beschäftigte in Deutschland laut einem Bericht im Jahr 2017 insgesamt angesammelt - die Hälfte davon unbezahlt. Außerdem arbeitet jeder fünfte Vollzeitbeschäftigte zu einem Niedriglohn.

Über dieses Thema wurde auch in der "Region am Nachmittag" am 30.11.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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