Dunkle Wolken ziehen über das Opel-Werk in Bochum (Foto: dpa)

"Wir haben es als Chance begriffen und genutzt"

Interview: Thomas Eiskirch, Oberbürgermeister von Bochum

Interview: Gerd Heger   24.06.2022 | 16:55 Uhr

Als 2015 endgültig Schluss war mit dem Opelwerk in Bochum, war die Stimmung ähnlich wie aktuell im Saarland. Nur gut sieben Jahre ist das her - und das ehemalige Opelgelände hat sich in dieser kurzen Zeit zu einem erfolgreichen neuen Standort gemausert. Wo damals noch rund 3000 Menschen gearbeitet haben, werden es bald über 10.000 sein. Ein wahrlich erfolgreicher Umstrukturierungsprozess.

Bochum hat in den vergangenen Jahren so einige Unternehmensschließungen wegstecken müssen - darunter auch richtige Schwergewichte. 2008 hat Nokia nach über 50 Jahren seinen Standort in Bochum geschlossen. Sieben Jahre später folgte die Schließung des Opelwerkes.

Was damals wie eine Katastrophe aussah, hat sich jedoch im Nachhinein als Glücksfall erwiesen. Bochum ist heute eine prosperierende Stadt.

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Bochum, ein Vorbild für Saarlouis?
Audio [SR 3, Interview: Gerd Heger, 24.06.2022, Länge: 04:35 Min.]
Bochum, ein Vorbild für Saarlouis?
Interview mit dem Oberbürgermeister von Bochum, Thomas Eiskirch

Das Unternehmen mit in die Verantwortung nehmen

Es sei damals gelungen, Opel mit in die Verantwortung für die Nachnutzung des Geländes zu nehmen, sagt Thomas Eiskirch. Der Bochumer ist seit 2015 Oberbürgermeister der Stadt. Sein Rat lautet deshalb: Einen hohen Druck aufbauen, damit das Unternehmen auch Verantwortung übernehme und nicht nur verbrannte Erde hinterlasse. "Das sei ein relativ schwieriger Prozess", sagt er. In Bochum habe man das Glück gehabt, dass es geklappt habe.

Die Bedeutung der Fläche

Entscheidend sei aber auch, wie man selbst mit einer solchen Situation umgehe, sagt Eiskirch. Es liege in solchen Veränderungen nämlich immer auch eine Chance. Eine Chance, Wirtschaftsstrukturen neu zu denken und zu entwicklen "und dafür auch eine Fläche zu haben - und Flächen sind knapp heutzutage - die man nutzen kann, um Neues entstehen zu lassen".

Die Entwicklung des ehemaliges Opel-Geländes

Bei Opel in Bochum hätten gegen Ende 3000 Menschen gearbeitet. Für sie sei das Ende des Werkes sehr bitter gewesen. "Aber am Ende des Umstrukturierungsprozesses werden auf dem Opel-Gelände über 10.000 Menschen arbeiten", sagt Eiskirch. Somit sei das Ende von Opel in Bochum für die Stadt und die Region auch eine große Chance gewesen, "die wir beherzt genutzt haben", sagt der Oberbürgermeister.

Acht Jahre nach dem Aus von Opel seien nun 96 Prozent der Fläche verkauft. Und die Nachfrage sei so groß, dass man die Fläche "gut ein zweites Mal gebrauchen könnte."

Auf dem Gelände gebe es jetzt sowohl Unternehmen als auch universitäre Einrichtungen und Forschungseinrichtungen. "Wir haben hier einen Schwerpunkt IT-Security und dazu haben sich auch Unternehmen angesiedelt wie Bosch oder VW-Infotainment. Es gibt aber auch produzierende Unternehmen."

"Man muss einen klaren Plan haben"

Wichtig bei der Entwicklung sei es es gewesen, einen klaren Plan zu haben und nicht zu allem ja zu sagen, so Eiskirch. Eine der ersten Ansiedlungen sei ein Logistikzentrum von DHL gewesen und man hätte auf dem Gelände auch noch weitere Logistikzentren ansiedeln können. Das hätte aber deutlich weniger Arbeitsplätze bedeutet - und auch weniger Zukunftsaussichten.

Sein Fazit

Auch wenn es für die Menschen zum Teil sehr bitter gewesen sei: Für die Stadt war das Aus von Opel im Endeffekt eine gute Entscheidung. Nichts desto trotz könne er sehr gut nachvollziehen, wie es den Menschen in Saarlouis jetzt gehe, sagt er. Neben dem Schock über die Nachricht sei es auch das Gefühl, dass einem ein Stück der Identität genommen werde.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 24.06.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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