Ein Mitarbeiter führt eine Abgasuntersuchung an einem Dieselfahrzeug durch. (Foto: dpa)

"Es ist drei Jahre zu spät und es ist eine halbe Lösung"

Interview: Prof. Ferdinand Dudenhöffer, Verkehrswissenschaftler

Interview: Carmen Bachmann   28.12.2018 | 11:45 Uhr

Seit drei Jahren schwelt der Dieselskandal. Kurz vor Jahresende legt nun endlich das Bundesverkehrsminsterium Richtlinien vor, wie Diesel-Hardware-Nachrüstungen durchzuführen sind. "Drei Jahre zu spät", sagt der Prof. Verkehrswissenschaftler Dudenhöffer im SR-Interview.

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Interview: "Es ist drei Jahre zu spät und es ist eine halbe Lösung"
Audio [SR 3, Interview: Carmen Bachmann, 28.12.2018, Länge: 03:29 Min.]
Interview: "Es ist drei Jahre zu spät und es ist eine halbe Lösung"

Hardware-Nachrüstung für Diesel der Schadstoffklassen Euro 4 und 5, wirksam bis Minimaltemperaturen von -7 Grad und eine Garantie für die Wirksamkeit für eine Kilometerleistung von 100.000 km bzw. fünf Jahre - das sind die Vorgaben, die das Bundesverkehrsministerium nun für die Nachrüstung von Dieselfahrzeugen in einem Richtlinienpapier aufführt.

Garantiepflicht auf Zulieferer abgewälzt

Die Politik hätte die Autobauer schon vor drei Jahren zur Hardware-Nachrüstung verpflichten müssen, sagt Prof. Ferdinand Dudenhöffer, Verkehrswissenschaftler und Ökonom von der Uni Duisburg-Essen. Die Garantiepflicht und eventuelle Probleme würden nun auf die Zulieferer abgewälzt. "Die Autobauer halten sich nach wie vor von den Nachrüstungen fern, geben keine Garantie", sagt Dudenhöffer. Und es gebe auch keinen Ansätze, in dem Bereich zukünftig eine Vorreiterrolle einzunehmen. Verkehrsminister Scheuer und sein Vorgänger hätten hier einen "äußerst schlechten Job" gemacht. Sie seien eigentlich dafür verantwortlich, dass Millionen Dieselfahrer heute in dieser Zwangssituation seien.

"Die Bundesregierung schläft weiter"

Die Bundesregierung habe in der Dieselaffäre nur gebremst "und sie verbaut uns damit die Zukunft", sagt der Verkehrswissenschaftler. Das gelte auch mit Blick auf die neuen Vorgaben der EU-Kommission. Das Ziel, dass im Jahr 2030 der Durchschnittsneuwagen in Europa nur noch 2,5 Liter Benzin verbrauchen darf, das sei nur mit viele Elektroautos zu realisieren. Die Autobauer hätten deshalb damit begonnen, massiv auf Elektroautos umzurüsten. Die Bundesregierung hingegen "schläft weiter", sagt Dudenhöffer. Sie subventioniere weiterhin den Diesel.


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Über dieses Thema wurde auch in den "Bunten Funkminuten" am 28.12.2018 auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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