Rentner auf einer Parkbank (Foto: dpa)

"Jeder fünfte bis sechste Rentner gilt als arm"

Interview: Frank Hofmann   23.08.2022 | 09:00 Uhr

Viele Rentnerinnen und Rentner im Land sind verärgert. Sie sehen sich bei den Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung übergangen. Aber stimmt das auch? Und wie hoch ist das Risiko, in Altersarmut abzurutschen? Dazu im SR-Interview: Dr. Johannes Geyer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW).

"Es gibt Entlastungsmaßnahmen, von denen auch Rentnerinnen und Rentner profitieren", sagt Dr. Johannes Geyer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW). Dazu gehörten beispielsweise die erhöhten Zuschüsse beim Wohngeld. "Die Hauptgruppe, die Wohngegld bezieht, sind Rentnerinnen und Rentner." Und auch der Einmalzuschlag bei der Grundsicherung im Alter.

Audio

DIW: "Die Rentnerinnen und Renter wurden gegenüber den Erwerbstätigen benachteiligt"
Audio [SR 3, Interview: Frank Hofmann, 23.08.2022, Länge: 03:34 Min.]
DIW: "Die Rentnerinnen und Renter wurden gegenüber den Erwerbstätigen benachteiligt"
SR-Interview mit Dr. Johannes Geyer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW).

Bei der zentralen Maßnahme, der Energiepreispausche, seien sie jedoch außen vor geblieben - und das als größte Gruppe, so Geyer. Die Begründung sei die hohe Rentenanpassung 2022 gewesen. Doch diese Begründung sei nicht so ganz stichhaltig. "Die Energiepreispauschale wurde ja auch nicht in Abhängigkeit von der Höhe der Lohnanpassung bei den Beschäftigten ausgezahlt." Das heißt: Die Renter wurden gegenüber den Erwerbstätigen benachteiligt.

Droht vielen Renterinnen und Rentern nun Altersarmut?

Gut drei Prozent der Rentnerinnen und Renter erhielten derzeit Grundsicherung im Alter, sagt Geyer. Die Quote der Bedürftigen würde aber in der Realität höher liegen. "Viele machen ihre Ansprüche nicht geltend." Er geht davon aus, dass sie etwa doppelt so hoch ist. Nichts desto trotz sei diese Quote noch realtiv niedrig.

Es gebe aber noch eine zweite Kennziffer für Armut: das statistische Armutsrisiko. Dabei handele es sich um eine relative Einkommensgröße "und da ist es so, dass jeder fünfte bis sechste Rentner als arm gilt", so Geyer. Das sei eine recht große Gruppe "und wir wissen, dass viele Rentnerinnen und Renter knapp oberhalb dieser Einkommensschwellen liegen." Für sie besteht also die Gefahr, in Armut abzurutschen, wenn es schlecht läuft.

Kostenfalle Eigenheim

Viele Ältere haben zwar Wohneigentum, oftmals sogar ein eigenes Haus. Sie trifft der eklatante Anstieg an Energiekosten besonders hart. Es gebe zwar keine genauen Daten, aber es sei wohl so, dass viele ältere Menschen in Immobilien leben, die nicht gut energetisch saniert sind. "Die Heizkosten werden hier überproportional steigen", so Geyer. Hinzu komme, dass oftmals der Wohnraum, in dem früher die gesamte Familie gewohnt habe, inzwischen eigentlich zu groß sei, aber trotzdem bewirtschaftet werden müsse.


Mehr zum Thema


"Eine Einmalzahlung kann die Probleme nicht lösen"
VdK fordert nachhaltige Förderung für Rentnerinnen und Rentner
Bundeskanzler Scholz hat Rentnerinnen und Rentnern nun Hoffnung gemacht, dass es vielleicht auch für sie bald Entlastungen geben könnte. Armin Lang vom Sozialverband VdK im Saarland findet das richtig. Dass die Rentnerinnen und Rentner beim ersten Entlastungspaket außen vor seien, sei eigentlich ein sozialpolitischer Skandal. Eine Einmalzahlung werde aber nicht reichen. Es müsse eine wesentliche strukturelle Verbesserung geben.


"Gut zu wissen": Finanzielle Unterstützung vom Staat
Wohngeld, Heizkostenzuschuss & Co.
Die Ausgaben steigen und steigen und sorgen dafür, dass gerade für Haushalte mit kleinerem Einkommen das Geld immer knapper wird. Dabei gibt es durchaus finanzielle Unterstützungsleistungen, die eine echte Entlastung sein könnten. Etwa das Wohngeld: ein monatlicher Zuschuss zur Miete oder den Wohnkosten für Eigentümer. Daneben gibt es im September auch einen Heizkostenzuschuss und Familien könnten einen Kinderzuschuss beantragen. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Ein Thema in "Guten Morgen" am 23.08.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja