Zeche Zollverein (Foto: Antje Zimmermann)

"Es braucht einfach viel Zeit, um Neues entstehen zu lassen"

Interview: Dorothee Scharner   27.06.2022 | 12:45 Uhr

Seit zehn Jahren ist im Saarland Schluss mit dem Steinkohlebergbau - aber noch immer ist auf den alten Flächen nicht viel passiert. Anders sieht es im Ruhrgebiet aus.

Am 30. Juni 2012 wurde mit dem Bergwerk Saar in Ensdorf die letzte Grube geschlossen. Seitdem ist auf den Flächen nicht viel passiert. Bei vielen Kommunen gibt es deswegen Unmut.

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Blick nach NRW: Wie läuft es mit den Zechen dort?
Audio [SR 3, Dorothee Scharner / Olaf Biernat, 27.06.2022, Länge: 03:45 Min.]
Blick nach NRW: Wie läuft es mit den Zechen dort?
WDR-Wirtschaftsexperte Olaf Biernat im SR-Interview.

Im Ruhrgebiet sieht die Sache etwas anders aus. "Hier läuft es um Längen besser", sagt WDR-Kollege Olaf Biernat. Und es habe im Ruhrgebiet "einen großen Schulterschluss von Politik, Kommunen und RAG" gegeben.

Erfahrung über Jahre

Im Ruhrgebiet seien aber viele Bergwerke auch deutlich früher stillgelegt worden, nämlich schon in den 60er, 70er und 80er Jahren. Nordrhein-Westfalen (NRW) habe deshalb einfach auch mehr Erfahrung mit der Nachnutzung der Flächen. Und es brauche einfach viel Zeit, um etwas Neues entstehen zu lassen.

Gelungene Umwidmungen

Das bekannteste Beispiel dürfte wohl die Zeche Zollverein sein. Die Zeche sei 1986 geschlossen worden - heute sei sie ein Touristenmagnet, ein großes Kulturzentrum. "Jedes Jahr kommen 1,5 Millionen Besucher".

Auch die Umwidmung der Zeche Ewald im nördlichen Ruhrgebiet könne man als gelungenes Beispiel nennen. Sie sei zu einem richtigen Ausflugsziel geworden. Es gebe zudem ein Theater und auch Firmen auf dem Gelände, beschreibt Biernat.

Und das Gelände der ehemaligen Zeche Holland in Bochum habe sich zu einem großen Technologiezentrum mit 32 Unternehmen entwickelt.

Implusgeber Bauausstellung Emscher Park

Ein wichtiger Implusgeber sei die internationale Bauausstellung Emscher Park Anfang der 90er Jahre gewesen - ein auf zehn Jahre vom Land NRW angelegtes Zukunftsprogramm, um die Strukturkrise im nördlichen Ruhrgebiet zu bewältigen. "Da wurden viele Millionen Fördergelder investiert, um die alten Zechen zu Industriedenkmälern zu machen", sagt Biernat.

Deutlich höherer Druck

Hinzu komme aber natürlich auch, dass es im Ruhrgebiet allein durch seine Größe einen deutlichen höheren Druck gegeben habe. Vom Bergbauende seien einfach viel mehr Menschen und viel mehr Kommunen betroffen gewesen.

RAG und Kommunen

Unterschiede im Engagement der RAG in den beiden Bundesländern will Biernat nicht erkennen. "Die Fördertöpfe sind für alle gleich", sagt er.

Einen Unterschied gebe es hingegen bei den Fördermöglichkeiten der Kommunen. "Sie müssen ja 20 Prozent selbst stemmen." Möglicherweise seien die Kommunen im Ruhrgebiet auch eher dazu bereit und würden auch andere Prioritäten als im Saarland setzen "weil Bergbau ein so großes Gewicht hat", so Biernat.

Und er vermutet, dass die RAG ihr Engagement auch ein bisschen vom Engagement und der Initiative der Kommunen und Investoren abhängig macht.

Ein Thema in der "Region am Mittag" am 27.06.2022 auf SR 3 Saarlandwelle


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