Ford-Werk Saarlouis (Foto: SR)

Automobilexperte sieht gute Chancen für Ford-Standort Saarlouis

Interview: Dorothee Scharner   06.09.2022 | 12:15 Uhr

Wie geht es weiter mit dem Ford-Standort Saarlouis? Der Automobilexperte Helmut Becker hält den Standort für durchaus attraktiv - besonders für die Zulieferindustrie. Das Saarland habe zwar eine Randlage, wichtiger sei jedoch eine gute Verkehrsanbindung und vor allem qualifizierte Arbeitskräfte. "Wo gibt es in Deutschland noch einen Ort, wo 6000 hochqualifizierte Arbeitskräfte in der Lage sind, in einer technischen Produktion zu arbeiten?"

Aus dem Wirtschaftsministerium hieß es zuletzt, dass es mehr als fünf Interessenten für den Standort gebe. Der Automobilexperte Helmut Becker vom Institut für Wirtschaftsanalyse hält dies für durchaus realistisch.

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Verkehrsexperte: "Es herrscht Arbeitskräftemanel und in Saarlouis sind 6000 Fachkräfte verfügbar"
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner, 06.09.2022, Länge: 04:07 Min.]
Verkehrsexperte: "Es herrscht Arbeitskräftemanel und in Saarlouis sind 6000 Fachkräfte verfügbar"
Interview mit dem Automobilexperten Helmut Becker

Helmut Becker kann sich vorstellen, dass durch den Krieg Russlands in der Ukraine und die international empfindlich gestörten Lieferketten in der Automobilindustrie durch die Lockdowns in China die bisherige Arbeitsteilung "nachhaltig in Bewegung kommt."

Standortvorteil "Qualifizierte Arbeitskräfte"

Es sei durchaus denkbar, dass sich die deutschen Hersteller beispielsweise aus Russland und der Ukraine wieder zurückziehen in ihre Heimat, so Becker. Und da sieht er für das Saarland sehr gute Chancen - besonders auch vor dem Hintergrund des Arbeitskräftemangels. "Wo gibt es in Deutschland noch einen Ort, wo 6000 hochqualifizierte Arbeitskräfte in der Lage sind, in einer technischen Produktion zu arbeiten?"

Entscheidend: die Verkehrsanbindung

Ein Nachteil des Saarlandes sei sicherlich die Randlage, so Becker. Aber bestimmte Produktionsprozesse könne man auch "in solchen Randlagen implantieren." Und viel entscheidender sei sowieso die Verkehrsanbindung - für die Anlieferung der Rohstoffe und Zulieferungen und die Auslieferung der fertigen Produkte.

Becker setzt auf Zulieferer

Dass sich ein Hersteller in Saarlouis ansiedelt, um dort wieder Autos zu produzieren, das hält Becker für eher unwahrscheinlich. Weitaus größere Chancen sieht er bei den großen Zulieferern.


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Ein Thema in der "Region am Mittag" am 06.09.2022 auf SR 3 Saarlandwelle

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