Das geplante Insektenschutzgesetz: Auswirkungen auf die saarländische Landwirtschaft

Insektenschutzgesetz: Folgen für die Landwirtschaft

Studiogespräch: Gerd Heger/Simin Sadeghi   15.02.2021 | 16:45 Uhr

Insekten sollen in Zukunft stärker geschützt werden. Das soll nun gesetzlich verankert werden. Bundeslandwirtschafts- und Bundesumweltministerium haben nun ein Insektenschutzgesetz auf den Weg gebracht. Es soll mehr Flächen für Insekten geben und auch der Einsatz von Insektiziden soll deutlich verringert werden. Doch was bedeutet das für die saarländische Landwirtschaft? SR-Reporterin Simin Sadeghi hat nachgefragt.

Insektenschutzgesetz
Biotope wie Streuobstwiesen und artenreiches Grünland für Insekten sollen als Lebensräume erhalten bleiben. Eine Änderung der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung soll zu mehr und besseren Lebensräumen für Insekten führen. Der Einsatz von Glyphosat soll zunächst eingeschränkt und Ende 2023 ganz verboten werden. In Schutzgebieten soll zudem der Einsatz zahlreicher anderer Pflanzenschutzmittel verboten werden. Auch an Gewässerrändern gelten künftig Pestizid-Einsatzverbote. (Quelle: www.bmu.de, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit)

Über 30 Prozent des Grünlandes in Saarland, also die Wiesen, auf denen Bauern ihr Vieh weiden lassen und auf denen Heu gemacht wird, wären von dem neue Insektenschutzgesetz betroffen. Das würde die hiesigen Landwirte hart treffen, sagt Valentin Puhl von der Landwirtschaftsinitiative "Land schafft Verbindung". Ohne Pflanzenschutzmittel sei es so gut wie nicht möglich, die Wiesen frei von Unkraut und Schädlingen zu halten. Die ausgewiesenen Flächen würden für die Produktion dann unbrauchbar, so Puhl. Es gebe sogar Fälle, bei denen Landwirte bis zu 90 Prozent ihrer Fläche in solchen Gebieten hätten. Für die stelle sich dann die Existenzfrage.

Jost und Naturschutzverbände wollen Abwandlung des Gesetzes

Noch ist das Gesetz nicht verabschiedet. Der saarländische Umweltminister Reinhold Jost (SPD) hat sich jedoch schon an die Seite der Bauern gestellt und deutlich gemacht, dass er das Gesetz abwandeln will. Auch die Naturschutzverbände BUND und NABU im Saarland stehen in dieser Sache an seiner Seite. Zum einen, weil es im Saarland schon viel artenreiches Grünland gibt. Zum anderen, weil die Naturschutzverbände die Gefahr sehen, dass die Grünflächen verbuschen könnten, wenn sie von der Landwirtschaft nicht mehr bewirtschaftet werden. Der BUND Saarland plädiert dafür, einen Kompromiss finden, um langfristig Pestizide zu vermeiden.

Kritik an Jost

Doch es gibt auch Gegenpositionen. Barbara Mayer-Gluche von den Grünen kritisiert den Gesetzentwurf an sich schon als Minimalkompromiss mit vielen Schlupflöchern. Sie wirft Umweltminister Jost vor, den Insektenschutz noch mehr aufzuweichen. Und auch von einzelnen Naturschützern gibt es Kritik. Sie sehen eine für das Saarland verpasste Chance, Vorreiter in Sachen Insektenschutz zu werden, gerade weil es bei uns so viele artenreiche Grünflächen gibt.

Ein Thema in der "Region am Nachmittag" am 15.02.2021 auf SR 3 Saarlandwelle

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