Impfstoff (Foto: SR)

"Ärzte ohne Grenzen": Platform "COVAX" funktioniert nicht

Interview mit Elisabeth Massute von "Ärzte ohne Grenzen"

Interview: Michael Friemel   02.07.2021 | 09:10 Uhr

Seit einem halben Jahr wird auf der Welt gegen Covid-19 geimpft. Damit nicht nur die reichen und großen Länder bevorzugt werden, wurde die Plattform "COVAX" ins Leben gerufen, um eine gerechte Impfstoffverteilung sicher zu stellen. In der Praxis ist jedoch genau das eingetreten, was mit "COVAX" verhindert werden sollte. Das sei nicht nur moralisch, sondern auch medizinisch fatal, so "Ärzte ohne Grenzen".

Die Plattform "COVAX" sollte eigentlich eine gerechte Verteilung von Corona-Impfstoff zwischen reichen und armen Ländern sicherstellen, aus Sicht der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" ist das Projekt allerdings gescheitert, erklärt Elisabeth Massute im Interview mit SR-Moderator Michael Friemel.

"Es liegt in der Natur eines Virus sich anzupassen und je länger die Pandemie dauert, desto wahrscheinlicher sind weitere Mutationen", sagt Elisabeth Massute von "Ärzte ohne Grenzen" im SR-Interview. Und genau deshalb fordert die Organisation eine gerechtere Verteilung von Impfstoff, zum Beispiel auch für Afrika. Das sollte eigentlich die Einkauf- und Verteilplattform "COVAX" leisten. Doch das sei dadurch untergraben worden, dass Länder wie Großbritannien, die USA - und auch Deutschland - sich durch Verträge eigene Impfdosen frühzeitig gesichert hätten und somit nur wenig für die weltweite Verteilung übrig geblieben sei, so die Kritik von "Ärzte ohne Grenzen".

Für die Pandemie sei das nicht nur moralisch, sondern auch medizinisch fatal. "Alle Seiten haben immer betont, dass die Pandemie erst zuende sein wird, wenn sie für alle vorbei ist und da ist eine weltweite Impfstoffverteilung ein zentraler Baustein", sagt Massute.

"Ärzte ohne Grenzen" fordert die weltweite Pandemiebekämpfung in drei Schritten: "Kurzfristig müssen jetzt Impfdosen abgegeben werden, mittelfristig müssen Patente freigegeben werden, und langfristig müssen mehr Produktionskapazitäten aufgebaut werden", erklärt Massute.

Über dieses Thema wurde am 02.07.21 auch in "Guten Morgen" auf SR 3 Saarlandwelle berichtet.

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