Ein Elektroauto beim Laden an der Wallbox zuhause in der Garage (Foto: IMAGO / Martin Bäuml Fotodesign)

Immer mehr E-Autos im Saarland

Peter Sauer/ Onlinefassung: Raphael Klein   23.12.2022 | 11:50 Uhr

Bundesweit steigt die Zahl der Neuzulassungen von E-Autos - so auch im Saarland. Hier gab es einen Zuwachs von über 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Beim Ausbau der Ladeinfrastruktur gibt es allerdings deutlich Nachholbedarf.

Mit bis zu 6.000 Euro hat der Staat in diesem Jahr den Kauf eines E-Autos gefördert – abhängig davon, wie teuer das Auto war. So sollten mehr Elektrofahrzeuge auf die Straßen kommen. Und das scheint funktioniert zu haben: Etwa 640.000 reine E-Autos wurden dieses Jahr bundesweit bezuschusst. Auch im Saarland stieg die Zahl der Neuzulassungen deutlich.

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Immer mehr E-Autos im Saarland
Audio [SR 3, Peter Sauer, 23.12.2022, Länge: 03:05 Min.]
Immer mehr E-Autos im Saarland

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Video [aktueller bericht, 22.12.2022, Länge: 3:30 Min.]
Immer mehr Elektroautos im Saarland

Starker Anstieg bei Zulassungen

Um 82 Prozent ist die Anzahl der E-Autos im Saarland im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Saarlandweit sind laut Kraftfahrtbundesamt, Stand Oktober, 9.145 reine E-Autos zugelassen. Insgesamt fährt damit aber weiterhin nur jedes 70. saarländische Auto rein elektrisch.

Der Automarkt befindet sich gerade im Wandel. Allein in diesem Jahr kamen gut 4.600 neue E-Fahrzeuge dazu. Das bestätigt auch Jens Steinmann, Verkaufsleiter der Torpedo Gruppe Saarbrücken: "Man merkt dieses Jahr sehr sehr stark den Umbruch. Weil wir natürlich auch dieses Jahr sehr hohe Spritpreise hatten, so dass sich Kunden mehr mit alternativen Mobilitätsmöglichkeiten beschäftigt haben." Deshalb seien ganz viele Autofahrer zu dem Schluss gekommen, "dass die Elektromobilität für sie der richtige Weg ist - auch der nachhaltige und ökonomische Weg der Mobilität."

Lange Lieferzeiten

Die hohe Nachfrage wirkt sich aber auch auf die Lieferzeiten aus. Je nach Hersteller und Modell müssen die Käufer von E-Autos mit Lieferzeiten von drei bis zehn Monaten rechnen.

Hybride sind Spitzenreiter bei Neuzulassungen

Spitzenreiter mit rund 10.000 Neuzulassungen sind Hybride – also ein Kombination aus Verbrenner und Elektromotor – gefolgt von rund 9.000 Benzinern. Dieselfahrzeuge wurden nur noch knapp 4.000 neu angemeldet.

Allerdings dürfte sich das im kommenden Jahr ändern, sagt Jens Steinmann. Denn dieses Jahr läuft die Förderung von Hybridfahrzeugen aus.

Mangelhafte Ladeinfrastruktur

Branchenexperten erwarten deshalb, dass die Nachfrage nach Elektroautos auch im kommenden Jahr weiter steigen wird und fordern deshalb einen schnelleren Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur. Gerade im Saarland, besteht nach Angaben des Kfz-Verbandes ein erheblicher Nachholbedarf.

Nach Angaben des saarländischen Kraftfahrzeugverbandes kamen im vergangenen Jahr 25 Autos auf einen öffentlichen Ladepunkt. In diesem Jahr müssen sich im Saarland rechnerisch schon 32 Autos einen Ladepunkt teilen - Tendenz weiter steigend, sagt auch Peter Schumann vom Autohaus Schumann in Saarbrücken: "Mit der Ladeinfrastruktur sind wir lange nicht da, wo wir hin wollen." Die Automobilindustrie sei mit ihren Modellen deutlich weiter als die Ladeinfrastruktur und "da muss ich sagen, da ist die Politik teilweise sehr gehemmt und gelähmt unterwegs."

Ladeparks statt einzelnen Ladesäulen?

"Unser Vorschlag: Ladeparks in den Kommunen!"
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi / Armin Gehl, 23.12.2022, Länge: 03:56 Min.]
"Unser Vorschlag: Ladeparks in den Kommunen!"

Ähnlich sieht es Armin Gehl, Geschäftsführer des Autoregion Saar e.V. Man gehe zwar davon aus, dass vor allem im privaten Bereich genügend Ladestationen, sogenannte Wall-Boxes, installiert werden. Im öffentlichen Sektor hapere es allerdings noch. Ein Problem sei, das "Zupflastern mit Ladesäulen in der Innenstadt", so Gehl. Er fordert deshalb Ladeparks in den Kommunen.

Dazu müssten die Kommunen oder auch der Landes-Stromversorger VSE bereit seien, "so etwas aufzubauen". Das sei dann auch eine Kostenfrage.

Einbruch durch Bonus-Kürzung?

Ab 2023 schrumpfen die Bonus-Zahlungen für E-Autos seitens des Bundes. Beim Kauf eines reinen Elektroautos mit einem Netto-Listenpreis von bis zu 40.000 Euro erhält man dann statt 6000 Euro nur noch 4500 Euro Förderung. Bei einem Netto-Listenpreis zwischen 40.000 und 65.000 Euro gibt es 3000 Euro. Bei einem E-Auto für mehr als 65.000 Euro erhält man schließlich gar keine Förderung mehr.

Armin Gehl befürchtet - anders als andere Branchenbeobachter - einen Verkaufs-Einbruch bei den Verkaufszahlen - vor allem bei Dienstfahrzeugen: Bei denen entfalle nämlich der Bonus ab Herbst 2023.

Dass E-Autos günstiger werden könnten, sieht Gehl nicht. Grund seien die teuren Rohstoffpreise. Dieser Markt werde von China dominiert und dort diktiere man den Preis. Das E-Auto fahre auch in den kommenden Jahren damit nicht "auf die Siegerstraße" in der Automobilbranche, so Gehl. Er befürworte deshalb einen Ausbau synthetischer Biokraftstoffe.


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