Eine Mitarbeiterin des Corona-Testzentrums macht einen Abstrich in der Nase.  (Foto: dpa/Oliver Dietze)

Hygieneinspektoren fordern Ende für private Testzentren

Nadine Irmer / Onlinefassung: Jil Kalmes   20.09.2022 | 12:20 Uhr

Während der Pandemie gab es überall Testzentren – auch von privaten Anbietern. Doch einige dieser Anbieter haben wohl mehr Tests abgerechnet als sie durchgeführt haben. Nun fordern die Hygieneinspektoren das Aus dieser Testzentren.

Während der Pandemie konnte man sich an den unterschiedlichsten Orten auf Corona testen lassen: im Fitnessstudio, im Reisebüro oder im Fußballstadion.

Die Tests sollten Menschen überall zur Verfügung stehen, deshalb wurden sie auch in private Hände gelegt, sagt Henning Adam, Pressesprecher der Hygieneinspektoren Saar-Lor-Lux. Doch die Behörden seien damit überfordert gewesen, sagt er.

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Hygieneinspektoren fordern Ende für private Testzentren
Audio [SR 3, Nadine Irmer, 20.09.2022, Länge: 03:05 Min.]
Hygieneinspektoren fordern Ende für private Testzentren

Verminderte Qualität und Abbrechnungsbetrug

In vielen Testzentren habe Quantität vor Qualität gegolten, was zu Bürgerbeschwerden geführt habe, sagt der Hygieneinspektor.

Einige Testzentren sollen außerdem Abbrechnungsbetrug in Millionenhöhe begangen haben. Im Saarland laufen aktuell Ermittlungsverfahren gegen vier Betreiber. Das Landeskriminalamt in Berlin schätzt die Defizite für den Bund auf etwa 1,5 Milliarden Euro.

Forderung 1: Wieder in kommunale Hände

Damit das nicht mehr passiert, sollten die Testzentren von nun an wieder von den Kommunen organisiert werden, so die Forderung der Hygieneinspektoren Saar-Lor-Lux. Der Vorteil: bessere Zusammenarbeit, Überschaubarkeit und kurze Wege.

Und auch finanziell lohne sich das für die Kommunen, sagt Henning Adam. Als Rechtsgrundlage müsse dafür aber die Corona-Testverordnung des Bundes angepasst werden.

Forderung 2: Fachkräfte mit medizinischer Grundausbildung

Bisher konnten Testzentren auch von Menschen ohne medizinische Grundausbildung eröffnet werden – lediglich eine Zwei-Tages-Schulung musste besucht werden.

Henning Adam fordert, die Tests nur von qualifiziertem Personal durchführen zu lassen – zum Beispiel durch medizinische Fachangestellte oder Gesundheits- und Pflegekräfte.

Ohne private Anbieter hätte es nicht funktioniert

Auf der Höhe der Pandemie hätte es aber wohl nicht ohne die privaten Anbieter funktioniert – die Nachfrage nach Testungen war einfach zu groß. Dieser Meinung ist auch Dr. Theophil Gallo, Landrat des Saarpfalz-Kreises. Man habe die Teststellen bei dem Ansturm während der Pandemie gebraucht und hätte die vielen Testungen nicht stemmen können.

Und auch Hauptamtsleiter Jens Welsch aus Blieskastel meint, man habe eben nach Lösungen gesucht, die schnell und pragmatisch umzusetzen waren. Da jetzt aber neue Erkenntnisse vorliegen, sieht er das von den Hygieneinspektoren vorgeschlagene Konzept als "geeignetes Mittel" für die Teststrategie.


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Ein Thema in der Sendung "Region am Mittag" am 20.09.2022 auf SR 3 Saarlandwelle.

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