Tor 1 der Gusswerke Saarbrücken (Foto: SR)

Warten auf den Durchbruch

Mit Informationen von Karin Mayer   02.07.2019 | 15:21 Uhr

Ein Jahr ist es her, da haben die Beschäftigten der Gießerei Neue Halberg Guss um ihre Jobs gekämpft. Wochenlang wurde gestreikt. Auch weil die Sorge umging, dass der damalige Besitzer Prevent den Ausverkauf plant. Seit Dezember hat das Unternehmen einen neuen Besitzer: Avir Guss. Die Hängepartie für die Mitarbeiter ist trotzdem noch nicht beendet.

Zukunft der Saarbrücker Gusswerke ungewiss
Audio [SR 3, Karin Mayer, 02.07.2019, Länge: 03:26 Min.]
Zukunft der Saarbrücker Gusswerke ungewiss

Von einer drohenden Insolvenz, über die das „Handelsblatt“ berichtet hatte, will der Chef der Avir Guss Holding, Frank Günther, nichts wissen. Er sei nach den Gesprächen der letzten Wochen zuversichtlich, dass schon bald die entscheidenden Zusagen der Kunden kommen. Das sind unter anderem Volkswagen, Deutz, Daimler und General Motors. Sie hatten beim Verkauf zugesagt, Kosten mitzutragen und Aufträge an das Werk zu vergeben – die Voraussetzung für den Verkauf.

Zugesagte Aufträge bleiben aus

Trotzdem sind auch ein halbes Jahr später die entscheidenden Weichen noch nicht gestellt. Ohne diese kann aber das von der Landesregierung verlangte Gutachten nicht erstellt werden. In dem Gutachten muss ein neutraler Wirtschaftsprüfer den Saarbrücker Gusswerken bescheinigen, dass die Chance auf eine positive Fortführung der Geschäfte besteht.

Durch das Ausbleiben der versprochenen Kundenaufträge wiederum werden die Bürgschaften des Saarlandes und Sachsens nicht übernommen. Dadurch bleiben auch nötige Investitionen aus.

Autobranche unter Druck

Seit den Kunden-Zusagen im Dezember 2018 scheint sich die Auftragslage in der Autobranche verschlechtert zu haben, unter anderem wegen der Dieselkrise und neuer Abgas-Messsysteme, die zu Verzögerungen bei den Zulassungen geführt haben. Außerdem hat Daimler die südafrikanische Tochtergesellschaft der Gusswerke Saarbrücken gekauft und verfügt damit jetzt über eine eigene Gießerei.

In der Belegschaft, die den neuen Eigentümer anfangs mit Beifall begrüßt hatte, ist die Stimmung nach Informationen der IG Metall angespannt. Im Saarbrücker Werk ist seit Mai Kurzarbeit angesagt, am Standort Leipzig gibt es sie schon länger. Für die rund 1200 Beschäftigten bedeutet das erneut finanzielle Abstriche. Viele von ihnen halten Ausschau nach neuen Jobs, was aber nicht einfach ist, da die gesamte Autoindustrie unter Druck steht. Ford und Eberspächer bauen Personal ab, und in anderen Unternehmen laufen befristete Verträge aus.

Über dieses Thema hat auch die SR3 Region am Mittag vom 02.07.2019 berichtet.

Artikel mit anderen teilen