Fridays for Future: Greta Thunberg startete ihre Aktion vor einem Jahr

Ein Jahr Greta Thunberg und ihr Klimastreik

[SR 3, Steffani Balle, 20.08.2019, Länge: 01:28 Min.]

  20.08.2019 | 08:25 Uhr

Ein Jahr ist es her, dass die Welt das erste Mal ein Mädchen mit Plakat auf dem Boden sitzen sah. Freitags gehe sie nicht in die Schule, weil ihr Kampf fürs Klima wichtiger sei, war die Botschaft der damals 15-Jährigen Schwedin Greta Thunberg. Und sie traf den Nerv der Zeit: Klimaschutz ist mittlerweile in aller Munde - auch im Saarland?

Was hat sich mit der von Greta Thunberg ausgelösten Welle der "Fridays for Future"-Demos verändert? Tina Schöpfer, die Landesvorsitzende der Grünen im Saarland, sieht einen enormen Wandel in der Wahrnehmung von Umwelt-Themen. Durch die Fridays for Future-Bewegung sei das Thema Klimawandel und Klimaschutz in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sagt Schöpfer. Das sehe man auch daran, dass es inzwischen nicht mehr nur Schülerinnen und Schüler seien, die für den Kimaschutz auf die Straße gingen.

Der Königsweg ist noch nicht gefunden

Aber was genau ist wichtig und richtig ist für den Klima-gerechten Lebensstil? In dieser Frage sind sich selbst die Fridays for Future- Aktivisten nicht so ganz einig. "Was es letztlich für ein ideales System gibt, um den Planeten zu schonen, da sind wir uns sehr uneinig - auch in der Bewegung", sagt Fridays for Future-Sprecherin Susanne Speicher.

Politik greift Themen auf

Auch wenn der Königsweg für einen optimalen Umwelt- und Klimaschutz noch nicht gefunden ist: Einige Ideen der Bewegung stoßen inzwischen auch auf Gegenliebe in der Politik - selbst dort, wo Umweltthemen bislang eher unter ferner liefen abgehandelt wurden.

Die CDU im Saarland will sich nun auch dafür stark machen, dass auf den landeseigenen Gebäude Photovolatik-Anlagen installiert werden. "Unser Ansatz ist, dass wir ein Dachflächenkataster erstellen und Zug um Zug Photovolatik-Anlagen hier errichten", sagt Günter Heinrich, Landtagsabgeordneter der CDU. Ein Antrag der Grünen, der im Mai im Landtag verabschiedet wurde.

Industrie bemängelt fehlende Infrastruktur

Die Debatte um den CO2-Ausstoß läuft da schon kontroverser. Im Stahl- Land Saarland nicht verwunderlich. Dass die Industrie willig ist, aber die Politik zu langsam, kritisiert der Betriebsratsvorsitzende von Saarstahl AG Stefan Ahr. Es sei eine Heuchlerei, wenn immer wieder gesagt werde, dass die Industrie CO2-neutral produzieren müsse, "vom Prinzip her aber die Infrastruktur gar nicht da ist und sich auch keiner auf den Weg macht, diese Infrastruktur darzustellen".

Der gute Vorsatz blitzt auf kommunaler Ebene auf: Saarbrücken ruft im Juni den Klimanotstand aus. In Bous und Neunkirchen soll diese Woche darüber entschieden werden.

Grünen-Landesvorsitzende Tina Schöpfer aber bleibt skeptisch: Klimaschutz lebe vom Machen, nicht vom Reden.


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