Catherine Robinet  (Foto: Lisa Huth/SR)

Grenzkontrollen und der Umgang mit Freundschaft

Lisa Huth   15.03.2020 | 19:47 Uhr

Die plötzlichen Grenzkontrollen vorige Woche hatten für Emotionen gesorgt. Außerdem Minister, die sich im Ton vergiffen haben. Viele Lothringer fühlten sich herabgesetzt. Wie steht es nach dieser Woche um die deutsch-französische Zusammenarbeit? Und wie um die Freundschaft zwischen Deutschen und Franzosen?

Christophe Arend und Roland Theis.
Audio [SR 3, (c) SR, 15.03.2020, Länge: 03:07 Min.]
Christophe Arend und Roland Theis.


Die Französische Generalkonsulin im Saarland, Catherine Robinet sagt es deutlich: "Ich habe keinen Anruf von niemandem in der saarländischen Verwaltung erhalten. Es kann sein, dass die Menschen in Metz oder Straßburg Bescheid wussten. Aber ich als Generalkonsulin wusste gar nichts von diesen Kontrollen." Das Generalskonsulat befindet sich direkt gegenüber der Staatskanzlei in Saarbrücken. "Ich weiß, dass Jean Rottner mit Tobias Hans telefoniert hat, er hat mit Kretschmann telefoniert, er hat mit Dreyer telefoniert. Und auf einmal sieht man in den Medien: Da an den Grenzen werden Temperaturkontrollen durchgeführt", ergänzt der Forbacher Abgeordnete in Paris, Christophe Arend, der das Geschehen von französischer Seite aus mitbekommen hat.

Dynamische Entwicklung

Der saarländische Europastaatssekretär Roland Theis versucht zu vermitteln: "Die Situation entwickelt sich derzeit so rasant, dass gerade, wenn wir das tun, wir mit dem Auflegen des Hörers, und das habe ich buchstäblich erlebt, schon nicht mehr in der Situation sind wie zu Beginn der Kommunikation." So habe Ministerpräsident Hans spätnachts noch mit dem französischen Regionalratspräsidenten Rottner telefoniert, vorher sage das Robert-Koch-Institut noch: “Ihr könnt die Schulen auflassen“. Wenig später komme die Info: “Schulen zumachen“. Ähnlich sei es bei den Grenzkontrollen gelaufen.

Absprachen wären möglich gewesen

Rasante Entwicklung, das stimme. Dennoch, merkt Christophe Arend kritisch an: Seit Jahren seien sich alle Beteiligten einig, dass die großen Probleme nur auf europäischer Ebene gelöst würden sollten. Und dann trete das erste große Problem auf, und schon werde einseitig gehandelt. Dabei gebe es gerade hier in der Region seit dem Aachener Vertrag den GrüZ, eine Konferenz aus Vertretern aller Bundesländer, die an Grand Est angrenzen, also auch dem Saarland, der Region Grand Est, Ministeriumsvertretern in Paris und Berlin und Parlamentariern wie Christophe Arend. "Und da kann man sehr schnell sagen, was machen wir, wie handeln wir." Eine Absprache auf allen Ebenen wäre also möglich gewesen.

Das RKI hätte besser differenzieren sollen

Für Generalkonsulin Robinet wäre eine größere Differenzierung auch wichtig gewesen. Die meisten Fälle in Grand Est gab es im südlichen Elsass und nicht in Lothringen. Das Robert-Koch-Institut hat einen Bogen von Mulhouse bis in die Ardennen, ein Gebiet, das so groß ist wie Belgien. Bei Nordrhein-Westfalen unterscheidet das RKI genau, dass die eigentlichen Ansteckungsfälle in Heinsberg an der niederländischen Grenze sind. Das wurmt die Lothringer, dass jetzt alle über einen Kamm geschert werden. Außerdem, so Christophe Arend: "Die Leute haben auch heute um ihre Arbeitsplätze Angst. Nicht nur um ihre Gesundheit, sondern auch um ihre Arbeitsplätze."

Trotzdem in Freundschaft vereint

Für Roland Theis steht fest: "Gerade wenn wir vorübergehend zu solchen Mitteln greifen müssen, muss klar sein, dass wir trotzdem in Freundschaft vereint sind."
Und darum wird am saarländischen Europaministerium nun auch die französische Fahne gehisst.

Mittlerweile hat Deutschland die Grenzen auch zu Frankreich geschlossen. Dieses Mal, so die Generalkonsulin, wurde sie vorher in aller Freundschaft informiert.

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Sonntag" auf SR 3 Saarlandwelle am 15.03.2020 berichtet.

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