Schriftzug "Glyphosat" auf einer Mauer im Grünen (Foto: Imago / Martin Bäuml)

Glyphosat für Privatgärten bald verboten

  28.07.2021 | 08:46 Uhr

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat darf nicht mehr für den privaten Gebrauch eingesetzt werden. Was bedeutet das für die Verbraucherinnen und Verbraucher und welche Alternativen gibt es? SR 3 sprach darüber mit dem stellvertretenden Nabu-Landesvorsitzenden Rudi Reiter und dem Wadgasser Biobauern Marcus Comtesse.

Bücken, Unkraut zupfen, Hacken, Mulchen

"Die Artenvielfalt in den Gärten wird wieder zunehmen"
Audio [SR 3, Interview Simin Sadeghi / Rudi Reiter, 28.07.2021, Länge: 05:57 Min.]
"Die Artenvielfalt in den Gärten wird wieder zunehmen"

Glyphosat soll von 2024 an überhaupt nicht mehr verwendet werden. Das sieht die jetzt beschlossene Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung vor. Zunächst aber gilt das Verbot von Glyphosat für die Nutzung auf den Flächen privater Gärten. Im Vordergrund, so Rudi Reiter vom Nabu Saarland, stand bislang der Verdacht, dass Glyphosat Krebs erregend sei.

Für den Nabu als Naturschutzverband gehe es vor allem aber um das Vernichten vieler Pflanzen, deren Blüten mit Nektar und Pollen den Insekten zur Nahrung dienen. Das europaweite Instektensterben hänge damit zusammen. Ohne Glyphosat werde es wieder mehr Artenvielfalt geben.

Viele Alternativen gibt es nicht

Ersatzprodukte für Glyphosat gebe es derzeit nicht. Darum gebe es nur die klassische Alternative wie seit Hunderten von Jahren im Gartenbau: Bücken, Unkraut zupfen, Hacken, Mulchen. Dafür könne etwa das Gras von gemähtem Rasen nehmen. Durch das Verteilen von Mulch auf dem Boden könnten Beikräuter verhindert werden.

Erlaubt sind Heißwasser-Hochdruckreiniger und Abflammgeräte, wie etwa Gasbrenner. Bei den einen wird etwa aus den Fugen auch alles andere rausgespült, bei den anderen besteht Brandgefahr.

Gesunder Boden durch Humus-Aufbau

"Wenn der Boden gesund ist, kommt er ohne Bei- bzw. Unkräuter aus"
Audio [SR 3, Interview Simin Sadeghi / Marcus Comtesse, 28.07.2021, Länge: 03:48 Min.]
"Wenn der Boden gesund ist, kommt er ohne Bei- bzw. Unkräuter aus"

Marcus Comtesse aus Wadgassen hat noch nie Glyphosat benutzt. Glyphosat tötet nämlich nicht nur Unkraut ab, sondern auch Bodenpilze und Bodenlebewesen. Die seien aber notwendig, um den Humus aufzubauen. Und den, so der Biobauer, brauche es für einen gesunden. Boden.

Marcus Comtesse arbeitet auf seinem Anbauland mit vielen Zwischenfrüchten. Auf diese Weise ist der Boden so gut wie nie „nackt“, nur die höchstens 14 Tage nach der Aussaat. Wird der Boden nämlich trocken, kann kein Humus mehr aufgebaut werden.

Regenerative Landwirtschaft

Die Wurzeln der Zwischenfrüchte „durchpflügen“ in unterschiedlichen Höhen und Querschichten den Boden. Die Pflanzen werden dann samt Wurzeln in den Boden eingearbeitet. Damit wird dem Boden wieder sehr viel organische Masse hinzugefügt. Comtesse spricht von einer „grünen Brücke“: Der Boden solle möglichst das ganze Jahr über von lebenden Pflanzen bedeckt sein.

Auch für Privatleute machbar

Privatleute könnten ebenfalls regenerativ arbeiten, meint Comtesse. Die Früchte sollten abwechselnd gesetzt werden, um Synergie-Effekte zu erzielen. Comtesse nennt als Beispiel das Zusammensetzen von Zwiebeln und Möhren.

Die Zwiebel verhindere zudem, dass die Möhrenfliege an die Möhren gehe. Außerdem könnte Mulch als Abdeckung zum Einsatz kommen, etwa bei Kartoffeln. Damit werde der Boden bedeckt gehalten. Und dann gebe es auch nur wenig Beikräuter.

Über dieses Thema wurde auch in den Sendungen "Regionen am Mittag und Nachmittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 28.07.2021 berichtet.

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