Eine Frau versucht, sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen (gestellte Szene). (Foto: Maurizio Gambarini/dpa)

"Man kann von einem Trend nach oben sprechen"

Interview Gerd Heger / Christine Theisen

  25.11.2020 | 11:57 Uhr

Die Leiterin der Beratungs- und Interventionsstelle für Opfer häuslicher Gewalt im Saarland, Christine Theisen, beantwortet die Frage, ob es seit Beginn der Corona-Pandemie mehr Fälle gibt, klar mit Ja. Am internationalen Tag der Beseitigung von Gewalt gegen Frauen fordert sie alle auf, nicht weg zu schauen.

Gewalt gegen Frauen: "Nicht wegschauen".
Audio [SR 3, Interview Gerd Heger / Christine Theisen, 25.11.2020, Länge: 03:48 Min.]
Gewalt gegen Frauen: "Nicht wegschauen".

Bei der Beratungsstelle laufen die Anzeigen wegen häuslicher Gewalt zuerst auf. Dort wurden, so Christine Theisen, im April 2019 59 Fälle verzeichnet. im April des Folgejahres 79. Im Oktober vor einem Jahr waren es 47 Fälle, ein Jahr später 68. Im Schnitt also 15-20 Fälle mehr als im Vorjahr.

Es gibt laut Theisen auch Männer, die häusliche Gewalt zu Anzeige bringen. 94 Prozent der Fälle seien aber Frauen. Eine typische Situation gebe es nicht. Manche lebten schon lange in einer Gewaltbeziehung, manchmal seien es Eltern, die von ihren Kindern misshandel würden. Es könne sich aber auch um junge Frauen handeln, die von ihrem Ex gestalkt werden.

Es hat sich bereits viel getan

Seit dem Gewaltschutzgesetz von 2002 hab sich viel getan, auch durch die Istanbul-Konvention, die in Europa von vielen Staaten ratifiziert worden sei. Auf jeden Fall sei das Thema viel mehr in der Öffentlichkeit. Dadurch hätten Frauen auch mehr Möglichkeiten, Hilfe zu finden. Und sie trauten sich mehr. Die Dunkelziffer sei aber weiterhin hoch.

Die Kooperation mit der Polizei bezeichnet Christine Theisen als sehr gut. Es gebe eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, dass mit Einverständnis der Betroffenen Informationen auch an die Beratungsstelle gehen. Das laufe im Saarland reibungslos. Auch die Politik unterstütze die Einrichtungen gut. Es gebe einen engen Kontakt mit dem Sozialministerium.

Auf jeden Fall ansprechen

Wenn jemand etwas mitbekomme in der Nachbarschaft, bei Freunden oder bei Verwandten, sei es gut, das Thema sanft anzusprechen. Theisen rät zu sagen, ich hab da was mit bekommen. Kann das sein, dass du vielleicht Gewalt erlebst? Auf jeden Fall nicht wegschauen, sondern Hilfe anbieten, im Falle von schwerer Gewalt die Polizei anrufen. Aber keinen Druck ausüben, weil das kontrapoduktiv sei.

Kontaktstellen

Frauennotruf Saarland

Nauwieserstraße 19
66111 Saarbrücken
Tel: 0681 / 36 76 7
Mail: info@frauennotruf-saarland.de

Sozialdienst katholischer Frauen e.V. - Ortsverein Saarbrücken

Richard-Wagner-Straße 17
66111 Saarbrücken 
Tel: 0681 / 93 62 59 0
Fax: 0681 / 93 62 59 22
Mail: sekretariat@skf-saarbruecken.de

Beratungs- und Interventionsstelle für Opfer häuslicher Gewalt im Saarland

Haus der Caritas
Richard-Wagner-Straße 17
66111 Saarbrücken
Tel: 0681 / 37 99 61 0
Fax: 0681 / 37 99 61 15

Über dieses Thema wurde auch in der Sendung "Region am Mittag" auf SR 3 Saarlandwelle am 25.11.2020 berichtet.

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